Schriftstellerin Monika Maron: Was ist der Sinn des Lebens?

Shownotes

In der 74. Folge von „Über das Ende“ spricht Konstantin Sacher mit Monika Maron. Sie wurde 1981 mit ihrem Debütroman "Flugasche" berühmt und gehört seitdem zu den großen Namen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In ihrem neuen Roman "Vier Minuten" geht es um den Tod und den Sinn des Lebens - ein Roman wie geschrieben für ein Über-das-Ende-Gespräch.

Im Gespräch erzählt Monika Maron, wie es für sie ist, alt geworden zu sein und welche Ängste damit verbunden sind. Sie erzählt, warum sie sich manchmal so klein wie ein Bakterium fühlt und warum sie einmal dachte, dass eine Welt ohne Menschen auch nicht weiter schlimm wäre. Sie erzählt vom Tod ihrer Tante, die sie begleitete, und verrät, was sie damals am Bett der sterbenden und geliebten Frau gemacht hat. Und sie verrät, ob sie an Gott glauben kann und warum sie die Gegenwart für metaphysisch nackt hält.

Außerdem verrät sie, ob sie weiterschreiben wird.

Das Gespräch wurde im September 2026 aufgenommen.

Sein neues Buch finden Sie hier:

https://hoffmann-und-campe.de/products/85396-vier-minuten?variant=54746229735692

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Was erfährt man über das Leben, wenn man über den Tod nachdenkt? Das fragen die „Über das Ende“-Hosts Konstantin Sacher und Julia Schnitzlein spannende Menschen im Podcast. Wir freuen uns, wenn Sie zuhören

Transkript anzeigen

00:00:00: Der Glaube ist ein Geschenk.

00:00:01: Wer das Geschenkt nicht bekommen hat, der sucht sich auswägen.

00:00:07: Mein Großvater ist umgekommen im Vernichtungslager Kölnhof und wo sie dachte wenn Gott das zulässt dann gibt's ihn nicht.

00:00:18: Gebetet hat sie aber trotzdem.

00:00:21: Und die Piloten haben nur gesagt da unten schwimmen Wale.

00:00:26: Dann habe ich gedacht, dass eine Welt ohne Menschen nicht schwimmt.

00:00:30: Also ich dachte, er kann es auch geben ohne uns.

00:00:36: Also sagen wir mal... Ich bin davon überzeugt dass sich im Augenblick meines Todes alles glaube.

00:00:43: Hallo herzlich willkommen zur neuen Folge von über das Ende Ihrem Christmas Podcast.

00:00:48: Wie immer geht es um den Tod und den Sinn des Lebens.

00:00:51: Mein Name ist Konstantin Sacher Und heute spreche ich mit Monika Maron.

00:00:54: Guten Tag

00:00:55: Hallo Frau Marwon.

00:00:57: Vielen Dank, dass ich bei Ihnen zu Gast sein darf um mit Ihnen über den Tod und den Sinn des Lebens zu sprechen.

00:01:02: Und über Ihr neues Buch.

00:01:03: stelle auch gleich unseren Hörern noch vor wie das Buch heißt und überhaupt Sie vor falls jemand sie nicht kennt.

00:01:09: aber der Podcast beginnt immer mit einer Frage die alle Leute bekommen die zu Gast sind und die lautet Wann haben Sie das letzte Mal an Ihren eigenen Tod gedacht?

00:01:19: Also entweder gestern Abend oder heute Morgen?

00:01:22: ganz genau kann ich es nicht sagen Aber in meinem Alter bietet es sich an, weil man ja schon irgendwelche Dinge regeln muss.

00:01:30: Also ganz unzentimental erstmal fällt mir ein, dass ich vielleicht immer noch das Testament nicht ordentlich geschrieben habe oder

00:01:36: so.".

00:01:38: Das heißt, das Denken an den Tod hat sich vielleicht mit dem Alter verstärkt?

00:01:44: Oder ist dazugekommen.

00:01:45: und wer hätten sieht wenn ich sie jetzt vor lang mal vierzig Jahren oder so gefragt hätte auch dann gesagt... Heute Abend, gestern Abend oder heute Morgen?

00:01:52: Oder ist es tatsächlich was mit dem Alter zu tun hat.

00:01:55: Also gut im Alter nimmt das sicher zu aber man denkt ja an den Tod schon weil man... also sagen wir mal meine Mutter es war fünfundneunzig geworden Aber seit sie achtzig war wenn ich mich von ihr verabschiedet habe hab ich immer gedacht Es muss gut sein, es muss liebevoll sein und es muss freundlich sein.

00:02:15: Man weiß ja nie.

00:02:17: Also der Gedanke an den Tod ist ja nicht immer nur der eigene Tod, sondern eben von Leuten die einem nahe sind oder... Ja.

00:02:27: Und ist das wenn Sie jetzt heute Morgen zum Beispiel oder gestern Abend dran gedacht haben etwas was sie noch erschreckt?

00:02:34: Oder haben Sie sich da jetzt auch dran gewöhnt, wenn man sich da überhaupt dran gewöhn'n kann?

00:02:41: Ich denke manchmal darüber nach warum ich das eigentlich überhaupt nicht erschreck't weil Also mich erschreckt eher der Gedanke, ich könnte pflegebedürftig werden.

00:02:53: Das finde ich ganz furchtbar.

00:02:56: Dann, ich liebe ja so das halbe Jahr oder die Sommermonate jedenfalls auf dem Land, denke ich versöhnlicher daran.

00:03:04: Weil da stirbt ja alles.

00:03:06: Die Bäume sterben, die Tiere sterben und man selber stirbt halt auch.

00:03:12: Da hat es irgendwie eine natürlichere Bewandnis.

00:03:16: In der Stadt finde ich das viel kränkender, weil alle Häuser bleiben stehen.

00:03:21: Die Straßen sind was sie immer waren.

00:03:24: nur Ich bin weg und das kann man sich ja nicht vorstellen dass die Welt noch da ist.

00:03:30: Aber ich denke der Mensch jeder Mensch ist ja sein eigener Kosmos Und dieser kosmos geht mit ihm unter und Das kann man Sich nicht vorstellen das alles was meine welt ist einfach weg ist.

00:03:48: Also das weiß man, aber man kann sich es nicht vorstellen.

00:03:51: Ja mit einem Menschen stirbt immer eine ganze Welt.

00:03:54: Das ist ja sozusagen auch ein Spruch, den ich schon oft oder einen Satz, den Ich schon oft gelesen habe – ich weiß gar nicht wer ihn oder zuerst gesagt hat, aber er ist, wenn man drüber nachdenkt natürlich sehr naheliegend.

00:04:04: Also den hab' ich selber gedacht und ich hab' ihn noch nie gelesen.

00:04:07: Aber fällt einem natürlich einfach ein, dass alles was zu meinem Leben gehört eben mein Kosmos war, mit mir verschwindet.

00:04:22: Vielen Dank schon für diese ersten Eindrücke!

00:04:25: Wir werden dann gleich bestimmt noch ansetzen.

00:04:27: aber ich möchte noch meinen Versprechen einlösen und Sie unseren Hörerinnen und Hörern vorstellen und auch Ihr neues Buch vorstellen.

00:04:36: Monika Maron ist Schriftstellerin.

00:04:37: sie gilt als eine der großen in der deutschen Gegenwart-Zitratur.

00:04:41: Sie wurde aus den forty einen Berlin geboren.

00:04:46: Bekannt wurde sie schon mit ihrem ersten Romanflugasche der neunzehnundachtzig erschienen, nicht in der DDR sondern in der Bundesrepublik Deutschland.

00:04:54: Seitdem hat sich viele Bücher geschrieben und viele Preise gewonnen die ich jetzt nicht alle aufzähle aber ich möchte es doch wenigstens gesagt haben Und Es gab mal eine Kontroverse um Sie weil sie ihren Verlag verlassen hat oder weil er verlag nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten wollte.

00:05:10: und das erwähne ich nur weil darüber wurde dann Wochen lang diskutiert und allein das zeigt ja vielleicht auch die Bedeutung wäre nicht bei jedem so gewesen.

00:05:20: Jetzt gerade ist ihr neuer Roman erschienen, er heißt vier Minuten Und es ist ein Roman den der Verlag So ankündigt Ein Roman in dem Monika Maron auf einzigartige Weise von den Fragen nach Sinn und Schicksal erzählt.

00:05:37: Das passt natürlich perfekt zu diesem Podcast von Maron.

00:05:40: Im Buch geht es um Leonora Nuwak genannt Lea, die einen Unfall überlebt.

00:05:46: Allerdings war sie vorher vier Minuten tot.

00:05:48: im Sinne von ihr Herz hatte aufgehört zu schlagen.

00:05:51: Gerettet wurde sie von einem gläubigen Notarzt und einem betenden Priester zusammen.

00:05:56: Das ist die Ausgangssituation des Buches Und wie es dann weitergeht und wie sich die Geschichte entspint will ich jetzt gar nicht weiter verraten.

00:06:08: aber es geht immer wieder um die sogenannten letzten Fragen, wie die Theologen sagen oder den Sinn des Lebens und welche Rolle der Zufall oder vielleicht auch Gott darin spielt.

00:06:19: Wie gesagt es passt sehr gut zu diesem Buch und darüber zu diesen Podcasts und darüber möchte ich auch gleich sprechen.

00:06:24: aber zunächst möchte ich noch mal auf ein anderes Buch von Ihnen hinweisen nämlich auf Ihre Tagebücher, die vor gar nicht so lange Zeit erschienen sind.

00:06:31: Die haben Sie veröffentlicht und da haben sie geschrieben in diesen Tagebühnen.

00:06:35: das kann man danach lesen am.

00:06:40: Ich habe das Gefühl, dass ich nie wieder einen Satz schreiben kann.

00:06:44: Mir fällt nichts ein, worüber ich schreiben möchte außer über das Alt werden die Annäherung an das Undenkbare.

00:06:51: und darüber will ich nicht schreiben jedenfalls Nicht für andere.

00:06:55: damals waren sie noch keine siebzig heute würde man sagen ist ja kein alter.

00:07:01: jetzt sechzehn Jahre später Können Sie doch über das und an die annäherungen anders und denkbare schreiben.

00:07:10: Naja, die Protagonistin dieses Buches – also diese Leonore.

00:07:17: Die ist ja Mitte fünftig.

00:07:19: Also in meinen Alter habe ich mich ja nicht begeben was allerdings andere Gründe hatte.

00:07:28: Erstens wollte ich dass die Jung ist wenn die Mauer fällt weil die ist aus dem Osten, also für diese sollte ein Leben beginnen und nicht mit all dem Ballast beladen sein.

00:07:41: derfür sagen wir mal Leute Mitte vierzig-fünfzig daran hink.

00:07:46: Und ich wollte dass sie nachdem Unfall noch ein Leben vor sich hat.

00:07:50: Also das es noch um Entscheidungen geht.

00:07:54: Insofern hatte das nichts mit mir zu tun sondern einfach mit der Komposition des Buches.

00:07:59: Aber sie hält sich auch für alt.

00:08:01: in dem Buch öfter Mal

00:08:03: Ja, die hält sich die ganze Zeit für alt.

00:08:07: Oder zu alt für bestimmte Dinge.

00:08:10: Besonders so alt wie die Liebe.

00:08:11: aber das nach Enttäuschung also wo sie sich einfach nichts mehr wagt.

00:08:20: ja Wie gesagt es ist jetzt sechzehn Jahre her dass Sie das geschrieben haben.

00:08:26: gefällt Ihnen das Alt sein?

00:08:28: Nein überhaupt nicht.

00:08:30: Es kann daran nichts finden, was nun besonders schön wäre.

00:08:36: Also man wird schwächer und Namen fallen einem immer nicht ein wenn man sie braucht wobei ich dann merke dass wenn ich jemanden bitte mir bei der Namensfindung zu helfen weil ich ja sagen kann wonach ich suche Und er ist fünfzig Dann fällt dem das oft auch nicht ein.

00:08:54: Ich weiß nicht Das muss da eine Kopplung geben.

00:09:00: Nein Was soll daran nun empfehlen sein?

00:09:04: Man wird übrigens, glaube ich auch nicht klüger.

00:09:07: Jedenfalls habe ich nicht das Gefühl.

00:09:10: Also manchmal wenn ich in alten Büchern irgendwas suche von mir meine ich... dann wundere ich mich was ich da alles schreiben konnte.

00:09:18: also es hab' ich ja inzwischen vergessen und merke nur dass sich zu einer bestimmten Ja wie soll ich sagen?

00:09:27: Wenn ich jetzt sage Kraft meinig nich das Richtige aber ein bestimmter Furor der allen antreibt Der geht ja auch weg, weil man denkt das hat man alles schon gedacht.

00:09:37: Das hat man alle schon gesagt und viel Neues kommt nicht dazu.

00:09:42: Also Erfahrung kommt dazu aber die ist ja oft nur deprimierend Und also man hat ja keine Zukunftspläne mehr.

00:09:53: Schon das ist sehr traurig.

00:09:58: Ich wollte nur den hören und hören sein wenn sie im Hintergrund manchmal einen Kratzen hören dass es Bonnie den vielleicht die Leserin von Monika Maron auch kennen.

00:10:05: Ist es der Bonny oder ist es die Bonny?

00:10:08: Die Bonny, ja.

00:10:09: Ja, Bonnie Propeller.

00:10:12: Ist hier anwesend und macht manchmal Geräusche.

00:10:14: das soll uns nicht weiter stören.

00:10:14: ich wollte es nur erklären falls jemand das hört.

00:10:18: Noch mal zurück zu dem was Sie gesagt haben.

00:10:21: also aus der Perspektive nicht eines jungen Menschen, das bin ich auch nicht aber eines jüngeren Menschen hat das Alter ja schon eine Faszination weil man einfach bestimmten Druck vielleicht den man als Jüngerer empfindet vermeintlich nicht mehr empfindet und eher auf etwas zurückschauen kann, was man in jedem Fall ganz sicher auf etwas zurückschauen kann.

00:10:39: Was sie auch geschafft

00:10:40: haben?

00:10:41: Und das also wenn ich jetzt persönlich aus meiner Position spreche mir das vorstelle Kann ich da durchaus mit einer gewissen Sehnsucht drauf gucken dass es doch ein schöner Zustand sein könnte.

00:10:54: Ja Geht mir nicht so.

00:11:01: Also vielleicht auch weil man ja doch nie ganz erreicht hat, was man wollte.

00:11:07: Ich fange ein Buch an und habe eine Vorstellung, was es werden soll.

00:11:16: Und jetzt würde ich gern etwas zeigen, was hier nicht geht.

00:11:20: Also meine Erwartung ist so hoch oder das, was ich von mir erwarte, von mir erwarte – was ich will, was sich da schaffen will.

00:11:30: Das schafft man ja nie!

00:11:35: eigentlich total unzufrieden und unsicher, wenn ich ein Buch abgebe.

00:11:41: Und das es mir gefällt ist vielleicht zehn Jahre später weil ich dann mich wundere was mehr trotzdem alles eingefallen ist als ich vergessen habe.

00:11:51: aber man schafft ja nie die Höhe die man erreichen will ich jedenfalls nicht andere vielleicht doch und so ist es dann auch mit dem gesamten.

00:12:01: also vielleicht Oder ich denke, das Buch was ich gern geschrieben hätte.

00:12:07: Also ich würde gerne mal ein Buch schreiben wie Philipp Borsen.

00:12:10: Das kann ich aber nicht und das weiß ich dass ich das nicht kann.

00:12:14: Und insofern bleibt ja auch immer eine Enttäuschung mit sich selbst unabhängig von dem was man trotzdem geschafft hat.

00:12:23: Also das kann ich sehr nachvollziehen sozusagen, dass man nicht zufrieden ist.

00:12:26: Ich meine dann das wäre ja auch dann quasi.

00:12:28: ich stelle mir jetzt also absolute Zufriedenheit stelle ich mir bei den Zuschauern absoluter Langeweile vor.

00:12:33: Das ist ja, also nicht erstrehmenswert.

00:12:37: Aber es gibt ja vielleicht so Zwischen-Norsen, dass ich mir vorstelle ... Super absolut zufrieden!

00:12:43: Nicht aber doch einigermaßen zufriedene oder einen gewissen Stolz auf etwas, was man geschafft hat?

00:12:49: Doch schon.

00:12:50: Also sagen wir mal in dem Augenblick, wo mich jemand angreifen würde oder mir überhaupt absprechen würde, das ich was geschafft habe, würde ich's vermutlich heftig verteidigen.

00:13:01: Wenn Sie mich so fragen Ob man dann so in dem Alter glücklich zurückguckt auf das, was man geschafft hat.

00:13:09: Das eben doch nicht.

00:13:11: also obwohl ich ja weiß dass ich etwas geschafft habe

00:13:14: und zumindest eine gewisse gelassenheit gegenüber den problemen der zeit also ich meine die drei notorischen kaas so kriege krise ki ja so die die einen natürlich nicht wahrscheinlich kalt lassen wenn man älter ist aber die vielleicht Wenn ich jetzt denke mal, z.B.

00:13:31: das Thema KI nicht auf meine Kinder guckele ich so was wird aus denen?

00:13:35: mal werden deren menschliche Fähigkeiten irgendwann noch gefragt sein?

00:13:39: Da würde ich mir denken könnte man vielleicht wenn mein älter ist kann ich schon ein bisschen gelassener sein gegenüber weil ich habe schon einen Beruf.

00:13:46: es ist schwieriger mit dem Mal wegzunehmen als überhaupt einen noch zu erreichen.

00:13:50: und noch ein paar Jahre mehr

00:13:54: Ja klar also ganz viele Dinge werden mich nicht mehr betreffen ja Aber unabhängig davon, also ich denke oft das Blöde am Sterben ist dass man nicht weiß wie alles ausgeht.

00:14:07: Also Ich wüsste gern was aus dem allen wird und natürlich Ist auch so eine permanente Aufregung die man vielleicht wenn man jünger ist hat.

00:14:19: aber Darum habe ich mich eigentlich immer bemüht Nicht in diese Hysterie zu verfallen sondern Eigentlich habe ich mir gedacht, in meinem Beruf muss man sowas sein wie ein Naturforscher.

00:14:33: Also jemand der Tiere beobachtet irgendwo lange liegt und guckt was macht der Löwe?

00:14:38: Und dabei aber ganz still ist.

00:14:40: also bei aller Anteilnahme natürlich auch emotionalen Anteilnahmen sich doch auf den Beobachterstandpunkt zurückziehen weil man ja sonst mitten im Gewürre ist und vielleicht gar nicht sieht, was eigentlich passiert.

00:15:01: Das ist etwas erstrebenswertes oder etwas nicht-erstrebenswertes?

00:15:04: Dass sich das zurückziehen auf den Beobachter...

00:15:06: Das halte ich für ein Schriftsteller für erstrebendswert weil man will ja den Überblick behalten dem behält man ja nicht.

00:15:15: wenn man also was heißt Ich mische mich oft genug ein aber eigentlich nicht als Partei, sondern eben auch als Beobachter.

00:15:25: Und

00:15:26: man strebt ja und ich würde sagen auch Leonore oder Lea in dem Buch strebt nach einem Sinn erfüllten Leben.

00:15:34: also sie blickt ja zurück und fragt sich War das jetzt sinnvoll oder hätte ich das lieber anders machen müssen, damit es sinnvoller gewesen wäre?

00:15:41: So zumindest lesen sich das Buch um die Liebe natürlich.

00:15:44: Aber nicht nur auch um ihre Karriere, sie ist Journalistin und schreibt über Satz-Palawenska Korrespondentinnen und fragt sich auch ob das jetzt so der richtige Beruf gewesen wäre, ob Sie nicht etwas anderes werden sollen vielleicht.

00:15:56: Ich glaube auch Naturwissenschaftlerin war die Alternative, wenn ich mich richtig erinnere haben Sie auch solche Gedanken, fragen Sie sich... Hätte ein anderer Lebensweg mich im Alter mit mehr Sinn, im Rückblick erfüllt?

00:16:12: Na ja.

00:16:13: Also das was ich in dem Buch beschreibe... Das hat ein bisschen aber wirklich mit mir zu tun.

00:16:20: als wir in der zwölften Klasse oder so dann die ganze Evolutionsbiologie in der Schule waren.

00:16:26: Ich bin davon total fasziniert und habe das glaube ich dann doch mir aus dem Kopf geschlagen, weil ich in den Naturwissenschaften also nicht die stärkste war und zur Biologie mehr gehört hätte als das Philosophische.

00:16:46: Mich interessierte ja eigentlich eher das Philosopische daran und manchmal habe ich gedacht was wäre ein sehr interessantes Leben gewesen?

00:16:56: wahrscheinlich auch Evolutionsbiologie.

00:17:00: aber so bin ich überhaupt auf die Idee gekommen mit der Evolutions-Biologie.

00:17:08: Also Otto Marquardt, von dem ist ja die These.

00:17:13: Man braucht ein zweites Leben.

00:17:15: Wir leben nicht lange genug um wirklich rauszufinden wie wir den wirklich leben wollen oder hätten gerne gelebt hätten.

00:17:26: Und dann bräuchte man wahrscheinlich ein Drittes?

00:17:27: Wahrscheinlich

00:17:28: auch weil da begegnen in einem anderen Zufälle also das Leben und davon bin ich auch überzeugt zum großen Teil durch Zufälle gesteuert wird.

00:17:40: Oder Sätze, die einem jemand sagt... Wenn einem jemand, dem man bewundert, irgendwie sagt das ist das was du tun musst oder so, dass sowas schon wie ein Wegweiser im Leben sein kann.

00:17:59: und ich habe immer gedacht also als Flugasche erschienen Das war ja nun in der DDR was verboten.

00:18:08: Ich habe es im Westen gegeben und der Verlag hat, so denke ich mir das an Kritiker vorher, dass man das Kript verschickt unter anderem an Marcel Reichranitzki.

00:18:20: Er hatte es zu nichts überhaupt nicht gelesen sondern seine Frau und die hat zu ihm gesagt, gließt das mal!

00:18:27: Das ist interessant.

00:18:29: Vielleicht hätte er es ohne Tosche seiner Frau gar nicht geliesen dann wäre das alles nicht passiert.

00:18:35: Er hat's gelesen, daraufhin wurde es als Fortsetzungs-Roman von Anfang bis Ende in der FAZ abgedruckt.

00:18:42: Das gab's damals noch, Fortsetzung-Romane in einer FAZ und damit war der Erfolg programmiert und damit hatte ich eine Bühne die man mit dem Debüt nicht unbedingt hat.

00:18:54: also ich dachte es wäre sonst alles anders weitergegangen.

00:18:58: vermutlich ja?

00:19:00: Manch einer sagt Zufall, manch anderer sagt Gottes Fügung dazu wenn sie.

00:19:05: Das sind zwei Seiten einer Medaille und es liegt eher daran, wie man eben sozusagen aufwächst.

00:19:11: Wie man sozialisiert wird, dass man Zufall sagt oder Gottes Fügung oder anders gefragt.

00:19:19: Können Sie mit diesem anderen Blick was anfangen?

00:19:21: Oder würden Sie sagen das ist ein völliger Quatsch!

00:19:25: Jetzt kommt die Werbung.

00:19:26: Kennen sie Christmon eigentlich schon?

00:19:28: Bei uns dreht sich alles um das Leben Freude und Leid, Glück und Unglück immer mit dem Blick auf Lösungen Mut zum Leben – das ist Christmon.

00:19:48: Ich weiß nicht, Sie haben die Tagebücher gelesen.

00:19:50: Da gibt es eine Stelle, die mich selbst verwundern hat.

00:19:54: Ich sitze an dem Bett meiner sterbenen Tante Marder und denke darüber nach was das so ist mit dem Tod und dem dazwischen im Leben Und da steht plötzlich Gott fehlt.

00:20:09: Also, ich bin völlig atheistisch aufgewachsen.

00:20:17: und warum da plötzlich bei mir steht Gott fehlt?

00:20:22: Und das vor vierzig Jahren hat mich sehr verwundert nachträglich aber in der Berührung mit dem Tod von einem Menschen, der einem sehr nahe steht.

00:20:33: also die war wie meine zweite Mutter ist plötzlich irgendetwas, was man benennt und woran ich mich nicht mal erinnern konnte.

00:20:41: Dass sich das so gefühlt und gesehen habe.

00:20:43: Also insofern es eigentlich gibt es ja für die meisten Menschen irgendwie... also dass sie in Situationen, also ob sie gläubig sind oder nicht, irgendwie sagen Himmelhilfe oder an etwas appellieren wovon sie nicht Oder denken, das gibt es gar nicht.

00:21:05: Aber vielleicht eben doch oder wer weiß?

00:21:08: Und ganz viele Menschen reden von Schutzengeln auch wenn sie überhaupt nicht an Gott glauben.

00:21:14: Also wir leben ja mit dem Rätsel unserer Existenz und besonders in Notsituationen fällt uns ein dass irgendeine überirdische Hilfe gerne hätten oder...

00:21:26: Ich hatte mir die Stelle auch notiert und ich wollte dann fragen man kann ja Gott fehlt einerseits als sagen wir mal, benennen einer Lehrstelle lesen.

00:21:37: Also es gibt ihn nicht aber es wäre schön wenn es ihm geben würde oder man könnte das auch so lesen, wo bist du?

00:21:47: Ja also sowie der christliche Gott oder auch der Gott an der Religion ist ja ein Personaler Gott den man anspricht und sagt Du fehlst gerade!

00:21:57: Das sind schon ein bisschen unterschiedliche Sachen.

00:22:00: Sie wissen nicht mehr sie konnten sich hier nicht daran erinnern Wenn Sie sich jetzt versuchen, in sich hineinzuversetzen.

00:22:05: damals war es eher so dieses Ja.

00:22:10: Es gibt ihn nicht aber das wäre doch eigentlich ganz nett wenn es ihn gibt oder dieses andere?

00:22:15: Naja ich glaube es war was anderes sondern dass ist irgend.

00:22:19: also Gott fehlt.

00:22:20: ja Ich glaube nicht dass ich in dem Umblick wirklich geglaubt habe dass es Gott gibt und er sich nur nicht meldet sondern dass es irgendetwas gibt, was uns das verständlich macht dieses Leben und nicht leben oder also dass wir dafür einfach... Wir haben dafür keine rationale Erklärung für unsere Gefühle.

00:22:45: Es ist schwer zu sagen, es bleibt der Rätselhaft!

00:22:49: Und ich persönlich kann also an einen Personal Gott nicht glauben.

00:22:55: aber es gelingt mir einfach nicht, dass sich denke ich Richte eine Bitte nach oben.

00:23:02: Aber haben Sie schon mal versucht, hört sich jetzt so an?

00:23:06: Ja ... ein Geister!

00:23:09: Also wenn ich auf was hoffe dann auf gute Geister und dann stelle ich mir aber wirklich am ehesten vor dass es tote also tote Verwandte sind mein Großvater oder weiß ich was die irgendwie.

00:23:25: aber Es ist nicht so das.

00:23:27: ich glaube Das wäre übertrieben.

00:23:30: Also ich beschwöre etwas an, das sich nicht glaube.

00:23:33: Das ist vielleicht... Aber es hilft ja allein sich das vorzustellen und sich vorzusteln dass es vielleicht das doch gibt.

00:23:41: Und eigentlich glaube ich sind das verkappte Selbstgespräche also selbst Beschwörung.

00:23:52: aber wie gesagt es gelingt mir nicht zu glauben Wie gläubige Menschen glauben das?

00:24:00: Gehe ich davon aus, dass wir in Zusammenhängen leben, die wir nicht erkennen können.

00:24:07: Also ist da etwas... Aber wenn ich mir vorstelle es gibt ja nicht nur unser Universum also wenn ich auf dem Land bin und da in den großen Vorpommern schon Himmel gucke Und denke wie klein wir sind!

00:24:20: Und das gibt ja auch nicht nur das eine Universum so Was wir überhaupt sind Dann denke ich Wir sind wirklich sowas wie Bakterien oder so Was das andere ist, was sowas ist wie Menschen.

00:24:36: Das kommt in den Buch ja auch vor mit den Hefebakterien.

00:24:39: Der Experimentator.

00:24:42: Ja weil ich denke...

00:24:43: Also nur für alle, die vieles so kurz erklären.

00:24:46: Lea im Buch, die hat durchaus auf der Suche nach Gott oder was auch immer ist eben jetzt noch eine Erklärung für den Sinn des Lebens.

00:24:52: Hat eine Theorie dass es eben einen Experimentator gibt, der mit den Menschen wie mit Hefebackterien experimentiert und dann dabei zuguckt, was sie so machen.

00:25:01: Aber eben ohne dieses Personale, das jetzt im Christentum gäbe, dass er auch eine liebende Beziehung zu seinem Objekt hat oder einen ganz leutraten ... Macht das

00:25:11: was Naturwissenschaftler mithilfe von der Entdruck mal sehen wie sie so reagieren und wozu man sie gebrauchen kann und wo zu nicht.

00:25:21: Es könnte ja sein also ich habe mal versucht im Garten meiner Mutter ist schon sehr lange her in Unkenntnis dessen, was man wirklich hätte tun müssen die Ameisen zu bekämpfen.

00:25:35: Und da habe ich so ein Ameissenhaufen eimerweise Wasser gekippt.

00:25:42: und da hab' ich gedacht, was denken die jetzt?

00:25:45: Dass die Sintflut gekommen ist oder man trampelt drauf und dann halten sie das für einen Erdbeben.

00:25:52: in unserem Sinne also für die bin ich dann Gott Größenordnung denken, dass der Mensch ja was ganz Kleines ist in diesem Welt zusammenhängen.

00:26:06: Dann fallen einem ja alle mögliche Theorien ein.

00:26:09: Nun hatten Sie ja vorhin schon den Zufall erwähnt und das der Zufalls durchaus auf Ihrer Seite war?

00:26:14: In manchen Situationen diese kleinen Episode mit Marcel Reicherninsky und seiner Frau.

00:26:19: könnten sie oder können Sie mit sowas wie Dankbarkeit auf die Vergangenheit blicken auch auf diesen Zufallen?

00:26:25: Ja, das kann ich.

00:26:28: Also ich kann für viele Dinge in meinem Leben dankbar sein.

00:26:32: Nein, nein ... Wie sagte ich?

00:26:35: In meinem Leben gab es mehr solche Zufälle oder auch so was als der Fischerverlag mich rausgeschmissen hat das hätte alles schiefgehen können.

00:26:45: ja Ich habe schon darüber nachgedacht selbst verlag aber das war innerhalb von zwei Wochen war das Problem erledigt und ich hatte neuen Verlag also ohne besondere Anstrengung Und ich auch dachte, irgendwer passt auf.

00:27:01: Nee das ist mir nicht, nichts Schlimmes passiert!

00:27:04: Also auf solche Ideen kommt man ja dann, weil man sagt warum?

00:27:07: Also immer in den schlimmsten Augenblicken ist irgendwas Gutes passiert oder irgendwas Rettendes sagen wir mal so.

00:27:15: Der Religionstheoretiker würde natürlich sagen genau solche Sachen Versucht man immer aufzuspüren, wenn man von Religionen außerhalb der Religion reden will.

00:27:25: Also dankbarkeit gegenüber etwas.

00:27:28: Gegen was ist man dankbar?

00:27:30: Und dann hat man ja fast schon die personelle Beziehung.

00:27:32: Weil man baut eine Beziehungen zum Zufall auf oder zu wem auch immer gehen wir ein Dankbar gegenüber sein können.

00:27:38: Dann sagt

00:27:38: man

00:27:39: Schicksal.

00:27:40: Man sagt Universum meint es gut mit mir.

00:27:43: Gut Chesserten hat ja schon gesagt Ja, wenn der Mensch nicht an Gott glaubt, glaubt er an alles Mögliche.

00:27:48: Das ist so weil Weil wir ja eben uns selbst letztlich ein Rätsel sind in unserer Existenz.

00:27:54: Und wenn man nicht glauben kann, in diesem Sinne... Also ich habe ja mit einem Pfarr gesprochen über den Glauben und die Unmöglichkeit zu glauben.

00:28:09: Der Satz steht auch im Buch.

00:28:10: Deshalb der Glaube ist ein Geschenk so.

00:28:13: Wer das Geschenkt nicht bekommen hat, der sucht sich auswege.

00:28:19: Ich habe jetzt zwei Associationen, das eine ist.

00:28:22: Das ist ja so ein bisschen fatalistisch und der heilige Geist weht wie er will sagt dann der Theolo oder so.

00:28:27: aber das zweite ist wenn ich an meine Kinder denke die schreiben mir auch Wunschlisten.

00:28:34: also man es ist ja nicht nur so dass mein Geschenk bekommt einfach irgendwas sondern man kann hier auch dafür sorgen dass man etwas bestimmtes geschenkt kommt indem man sich bemüht.

00:28:43: Also das fällt mich als Assoziation dazu ein.

00:28:47: Es ist ein Geschenke Aber kein Geschenk vielleicht, was völlig zufällig auf einen trifft.

00:28:53: Sondern vielleicht auch eins für das man sorgen kann?

00:28:55: Ich kenne mich ja da im Glauben eben nicht aus!

00:29:00: Also ich weiß dass meine Mutter und meine Tante sehr religiös erzogen wurden.

00:29:07: Mein Großvater war Jude, meine Großmutter kam aus einer strengen... Die glaubigen katholischen Familie sind beide Baptisten geworden, in Polen noch und nach Berlin ausgewandert.

00:29:21: Und meine Großmutter war streng, glaube ich.

00:29:28: So wurden auch die Kinder erzogen.

00:29:30: Meine Mutter hat mir erzählt ... In alten Kommunisten waren sie trotzdem alle.

00:29:35: Meine Großmütter wahrscheinlich nicht, aber die vier Kinder und der Großvater auch.

00:29:41: Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie in einer Parteihochschule war von der SED nach dem Krieg in den Fünfzehrjahren unter der Bettdecke noch gebetet hat.

00:29:55: Ich glaube nicht, dass Sie wirklich an Gott geglaubt haben, weil das hat sie mir auch erzählt.

00:29:59: Das ist ihr während der Nazi-Zeit vergangenen.

00:30:04: Mein Großvater ist umgekommen im Vernichtungslager Kulmhof Wo sie dachte, wenn Gott das zulässt, dann gibt's ihn nicht.

00:30:14: Gebetet hat sie aber trotzdem.

00:30:16: Also einfach weil sie es gelernt hatte und weil es irgendwie geholfen hat oder weiß ich nicht auch ohne Glauben geholfend hat, meine ich ja, dass kann ja alles eine Selbstbeschwörung sein.

00:30:27: Ich würde immer sagen, ich weiss gar nicht wo der Unterschied ist.

00:30:30: Weil vielleicht war ich auch nicht so wahnsinnig überzeugt glaube wie manche andere das vielleicht von sich sagen würden.

00:30:39: Ich würde schon sagen, dass ich glaube.

00:30:40: Aber ich weiß auch nicht ... Ich kann mich mit dem, was Sie gerade gesagt haben, anvollziehen und sagen, obwohl ich nicht glaube.

00:30:47: Obwohl ich denke es gibt keinen Gott, glaub ich halt trotzdem.

00:30:50: Da kann ich sehr viel anfangen.

00:30:52: aber ich will trotzdem immer sagen, ich glaube deswegen ... Ja, ich frag mich ist überhaupt eine vernünftig Existenz möglich wenn man glaubt und nicht glaubt das vielleicht auch nicht stimmt?

00:31:05: Na ja warum nicht?

00:31:06: also Wenn ich akzeptiere oder davon ausgehe, dass wir uns unsere Existenz letztlich nicht erklären können.

00:31:19: Dass wir mit Ehrfurcht vor diesem Geheimnis und vor dem Leben als Seuchen und auch dem Rätselhaften unserer Existenzen dann weiß ich gar nicht wo der ganz große Unterschied ist.

00:31:39: Also vielleicht nur, dass man die Hoffnung nicht hat, das Gott mir schon helfen wird.

00:31:47: Aber natürlich ... Das ist so ein unglaublicher Glaube!

00:31:52: Es gibt etwas, das weiß ich, das akzeptiere ich auch.

00:31:55: Ich weiß nun nicht was es ist und weil ich nicht weiß, was es is', kann ich nicht dran glauben.

00:32:00: Aber das Hoffnungen haben und das Glauben ist ja auch etwas, würde ich sagen... Und jetzt nicht nur meine persönliche Ansicht, sondern das kann man ja auch in der Literatur und in der Religionsgeschichte sehen etwas, was auch in Wellenbewegungen passiert.

00:32:12: Man glaubt mal und man glaubt nicht zum Glauben, Gott erzweifelt oder die Hoffnung kommt immer an den Momenten, die am hoffnungslosesten sind?

00:32:20: Also

00:32:21: sagen wir mal ich bin davon überzeugt dass sich im Augenblick meines Todes alles glaube.

00:32:26: ja also finde ich ganz sicher da kann man mir erzählen was man will und ich werde es glauben wenn's hilft irgendwie.

00:32:37: Ich bleibe jetzt gerade an dem Augenblick des Todes hängen.

00:32:39: Glauben Sie, das ist ein besonderer Moment?

00:32:44: Es gibt natürlich unterschiedliche Weisen zu sterben.

00:32:46: Man kann einfach einschlafen und davon ausgehen.

00:32:48: Man wacht hoffentlich am nächsten Tag wieder auf und tut es nicht.

00:32:51: Dann hatte man diesen Augenblick zumindest nicht bewusst erlebt.

00:32:55: Aber wenn ich z.B.

00:32:57: meinen Großvater denke der hat ein gutes Gefühl dafür, dass er bald sterben wird und seine Enkel und Kinder noch mal zu sich grob waren dann ist er in der Nacht eingeschlafen.

00:33:07: Dann gibt es ja manchmal auch Situationen, wo man das schon weiß oder ahnt.

00:33:12: Und sowas müsste dann sein.

00:33:13: Würden Sie ... Wenn sie zu so einer Situation käme und wenn sie sagen, dann glauben sie alles noch mal einen Pfarrer doch rufen?

00:33:21: Oder den Pfarrern kennen ja einen anscheinend ein Pfarreren, bei dem sie für dieses Buch gesprochen haben?

00:33:26: Oder würden sie sich dann doch lieber zurückziehen wie man das von den amerikanischen Ohrenwohnern sagt, sodass die sich einsam in die Berge zurückziehen?

00:33:36: Man weiß

00:33:37: ja nicht, wie es einen erwischt.

00:33:39: Ich kann nur sagen ich war als meine Tante starb da war ich bei ihrem Krankenhaus und die haben gesagt Ja das können wir jetzt ein zwei Tage dauern oder so.

00:33:52: Und in dem Zimmer war ein Bett frei.

00:33:53: Es waren Zweibettzimmer und ein Bett war frei.

00:33:55: und habe ich gesagt dann bleibe hier.

00:33:57: Also es war alles im Osten etwas rupiger zuging.

00:34:03: und dann haben die gesagt, das kann aber dauern.

00:34:06: Dann bleibe ich ihm.

00:34:09: Meine Tante lag in der Agonie schon so.

00:34:11: Und ... dann hab ich daran gedacht, dass sie religiös erzogen waren.

00:34:17: Ich habe mich an ihr Bett gesetzt und erzählt, dass Sie keine Angst haben muss und alle auf Sie warten.

00:34:27: Ihr Vater und Bruno, ihr Bruder und Ihre Mutter.

00:34:31: Dass Sie sich alle freuen und das es nicht schlimm ist.

00:34:35: Und dann war sie nach anderthalb Stunden tot.

00:34:38: Sie hörte auch auf zu röcheln, und es wurde ruhig.

00:34:41: Vorher habe ich immer zu ihren Namen gesagt, Martha, weil ich dachte, wenn irgendwas zu ihr durchtrinkt, dann vielleicht der Name?

00:34:50: Dann habe ich diese religiöse Geschichte erzählt.

00:34:54: Ich glaube, es hat geholfen.

00:34:57: Das hat mich sehr beeindruckt.

00:34:58: Darum denke ich, auch wenn mir jemand so was erzählen würde, gelaufen sich ja auch.

00:35:02: Ich bin zwar nicht so erzogen aber Bereit will ich etwas so glauben, was mir das Schwerben leichter macht.

00:35:10: Nun geht ja in unsere ... Das ist ein Gegenwart zumindest in Deutschland die Saat dafür dass man überhaupt sowas erzählt langsam verloren.

00:35:17: weil man muss ja davon mal gehört haben, dass man sowas überhaupt erzählt und wenn man gar nicht christlich erzogen ist oder auch in einer anderen Form so erzählen zu können ist, dass es irgendwie mal gehört hat dann kommt man auch gar nicht auf die Idee.

00:35:29: Na ja, auf die Idee bin ich auch nur gekommen.

00:35:31: Weil ich wusste, dass sie so religiös erzogen waren und meine Mutter mir das mit dem Beten unter der Bettdecke erzählt hat.

00:35:37: Da hab' ich gedacht wenn das alles fortwirkt dann gibt's ja die Hoffnung.

00:35:42: Ja aber würden Sie gucken Sie da eher mit einer Wehmut oder einem Angst ist vielleicht das falsche Wort Aber darauf, dass es eher verloren geht in unserer Gesellschaft Dass man überhaupt dann auf die Ideekämme eine religiöse Geschichte zu erzählen?

00:35:59: Ja, ich glaube ja... Also komischerweise wird das Thema Glauben im Augenblick sehr aktuell nicht.

00:36:08: Ich weiß nicht genau warum?

00:36:09: Ich kann mir aber auch vorstellen dass es als Defizit dieser säkularen Gesellschaft empfunden wird, dass wir so bedrängt werden von einer mächtigen Glaubensgemeinschaft also von den muslimen Die Glauben und aus diesem Glaubem alles Mögliche beziehen.

00:36:35: Und wir stehen dem so nüchtern gegenüber.

00:36:41: Der Glaubengraub hat ja nicht nur eine positive Kraft, der auch eine andere.

00:36:49: Aber wir sind also metaphysisch ein bisschen nackt.

00:36:56: Wenn wir als Gesellschaft vielleicht ... Ein metaphysisch Nackt dastehen, was könnte denn in diese Lehrstelle treten?

00:37:05: Die vielleicht in früheren Zeiten die Religion eingegeben

00:37:09: hat.

00:37:09: Wir geben eigentlich eine ganze Menge und also eigentlich kann man ja auch auf das eigene Fortleben in den eigenen Kindern hoffen.

00:37:18: Also weil es ist ja eine Kontinuität im Leben.

00:37:21: aber wenn die Menschen auch keine Kinder mehr kriegen und darüber denke ich nach... Ich hatte zum Beispiel als ich dann so Mitte zwanzig war ein ausgeprägten, starken Kinderwunsch.

00:37:34: Aber nicht weil ich wollte es sondern weil's mich überkam sozusagen ja?

00:37:38: Ich glaube das war reine Biologie.

00:37:42: und wenn das nicht mehr funktioniert also wenn Kinder eigentlich nur noch als Behinderung des eigenen Lebens angesehen werden Also jedenfalls ist das ja so eine Diskussion unter den jungen Frauen Und dann reißt da was ab Da reist auch Liebe ab.

00:38:04: Das Wort Kerarbeit regt mich wirklich auf, was man aus Liebe tut und aus inneren Wollen, aus Notwendigkeit eigentlich, also biologisch eigentlich wie jedes Tier sich um sein Kind kümmert und unglücklich ist wenn das in irgendeine Falle gerät oder so... Dass das beim Menschen nicht mehr funktioniert, ist doch beängstigend.

00:38:34: Oder dass da eh ein Kinderwunsch entsteht schon die Ideologie im Kopf ist, die alles andere bremst?

00:38:42: Aber wenn man jetzt sagt, Kinder könnten vielleicht an ... oder sagen, es ist ja vielleicht übersetzt eine zwischenmenschliche Beziehung könnte an dieser Stelle stehen einer Liebe zu einem Menschen dann ist es ja auch vielleicht zu wenig weil erstens Kann der Mensch sterben?

00:38:58: Der ist sozusagen ein bisschen weniger als diese metaphysische Gebundenheit, Gottesliebe.

00:39:04: Wenn man daran glaubt das ja etwas was nicht sterben kann und die ist dann einfach da.

00:39:08: Die ist in dieser Welt nicht gefährdet.

00:39:10: sie kann natürlich es kann einem Schlimmes passieren oder muss man fester dran glauben oder Sie darf sich nicht verlieren.

00:39:16: aber die Welt an sich kann dem der festglaubt Diese Liebe nicht nehmen.

00:39:21: Aber der Mensch der kann sterben die Beziehung kann sich in Streit auflösen Sie kann enttäuscht werden, das geht ja Lea in ihrem Buch aus.

00:39:28: Da hat hier eine Beziehung zu einem Max gehabt als sie noch jung war und den hat sie sehr geliebt.

00:39:36: Und dann war er auf einmal weg, weil er aus dem ... dass der DDR in den Westen gegangen ist und keine Beziehungen mehr da war.

00:39:44: also es war einfach abgebrochen.

00:39:46: Na ja gut, das kann passieren.

00:39:47: Also geht darum die erste Diebe.

00:39:50: Die erste Liebe heißt Erste-Liebe, weil danach vermutlich die zweite kommt.

00:39:56: Sonst müsste man sie nicht die erste Liebe nennen.

00:40:00: Das war ja eine Frage von Verrat.

00:40:03: Also er wusste dass er einen Ausreiseantrag gestellt hat und hat es eh nicht gesagt aus Angst vor dem was dann folgt an Unglück und Weiden und weiß ich.

00:40:15: also er hat sich nicht gesagt und ist eines Tages plötzlich weg Und sie gerät in eine Situation, in der sie völlig verraten ist.

00:40:25: So weil sie es nicht gewusst hat sitzt plötzlich der Stasi gegenüber und weiß von nichts.

00:40:32: Also es ist der Verrat Es ist nicht der Verlust von Liebe.

00:40:36: das passiert ja immer mal im Leben.

00:40:39: Aber nochmal auf die Frage ist das dann bei ihnen so?

00:40:43: würden Sie sagen dass ihr Sohn oder die Liebe zu anderen Menschen vielleicht etwas ist, was ihnen Hoffnung gibt.

00:40:50: Wenn man dieses Wort benutzen möchte?

00:40:53: Ich meine ja dass der Mensch in seinen Kindern fortlebt also das es ja eine Art von Unsterblichkeit ist

00:41:02: bis das Kind stirbt.

00:41:04: bis dahin hat das Kind vielleicht wieder ein anderes Kind.

00:41:06: erst wenn diese Kette reißt dann ist es vorbei mit der Unsterbligkeit

00:41:15: und ist das für sie Erschreckende Vorstellung.

00:41:19: also ich meine für mich ist es oftmals ein erschreckender Vorschlag wenn ich mal in diesem punkt denke dass man sich ja irgendwie diese ganze menschheit als.

00:41:26: ich meine das ist noch sehr lange hin und es ist auch wie blöd sich das vorzustellen.

00:41:29: was bringt es?

00:41:30: aber?

00:41:30: manchmal trägt es sich auf diese vorstellungen die wird's auch irgendwann gar nicht mehr geben weil alle naturwissenschaftler sagen, dass irgendwann wird sie nicht mehr ergeben.

00:41:37: Die Welt, die es nicht mehr gibt wird's nie gegeben haben.

00:41:45: Oder so ist das eine Zeile aus einem Gericht von Wolfgang Herndorf und die fällt mir dann immer ein.

00:41:50: Ja?

00:41:51: Die Welt die sie nicht mehr ergibt wirds nie gegeben habe weil ja dann keiner mehr daran denken kann dass ich sie jemals überhaupt gab.

00:41:57: Und mich erschreckt das manchmal.

00:41:58: aber eigentlich ist denke ich mir dann auch irgendwie quatsch.

00:42:01: warum soll ich das erschrecken?

00:42:03: Also ich bin mal mit so einem kleinen Flugzeug Das war so ne schriftschärfe Anstaltung Pen-International oder so, da wurden wir von Kanada auf die Inseln Waffen Island geflogen.

00:42:18: Und da sind sie im Flogen über Berge also Felsen und mehr wo überhaupt kein Mensch leben konnte ja?

00:42:27: Die Piloten haben nur gesagt, da unten schwimmen Wale und dann haben wir geguckt.

00:42:32: und dann habe ich gedacht das ist eine Welt ohne Menschen nicht schlimm!

00:42:36: Also ich dachte ... kann es auch geben, ohne uns.

00:42:41: Warum nicht?

00:42:42: Also ich fand das angesichts dieser... ... sehr majestätischen Landschaft und dieser Wale,... ... aber ich dachte wir stören wahrscheinlich auf der Welt überhaupt nur.

00:42:54: Das ist alles eine Frage der Perspektive

00:42:56: hier.

00:42:56: Eben!

00:42:57: Also ich denke das nicht oft, aber ich weiß dass ich das in dem umgegedacht habe.

00:43:02: Ja natürlich können wir uns, weil wir sehen ja... Die Welt, als wir und die Erde ist für uns da.

00:43:12: Aber muss ja nicht sein!

00:43:14: Und spüren Sie in sich, die Kraft und den Drang weiterzumachen?

00:43:19: Noch mehr zu schreiben?

00:43:20: Ist Lodert das Feuer noch?

00:43:25: Es ist schwer zu sagen.

00:43:27: also ich habe eine ganze Menge geschrieben und überlege ob ich noch viel weiß was ich noch nicht aufgeschrieben hätte.

00:43:36: aber dazu kommt Also das wirklich deprimierende, dass die Leute nicht mehr lesen.

00:43:42: Dann kann ich auch für mich schreiben also dann muss ich auf nichts Rücksicht nehmen.

00:43:45: Dann könnte ich auch sagen... Ich schreibe exzessive Tagebücher und schreiben Dinge, die ich gar nicht trauen würde zu veröffentlichen.

00:43:54: Und dann schreiber ich vielleicht über meine Freunden und hätte sonst hinterher keine mehr wenn es öffentlich wäre.

00:44:02: aber das muss sich abwarten.

00:44:04: vielleicht im Augenblick deprimiert mich wirklich, dass sie nicht mehr lesen wollen.

00:44:11: Das ist oder anderes lesend wollen oder kurzes leser wollen oder ich weiß nicht was die Leute lesen also wie jungen leute lesen romanzen und so was alles aber auch die anderen lesen.

00:44:27: es geht ja nicht nur mir so es geht allen so und die verlagen stöhnen.

00:44:31: das ist ja nicht sehr anspornd.

00:44:36: Wie gesagt, dass man Lust hat was zu schreiben ist etwas ganz anderes.

00:44:39: das dafür bei euch ja kein Publikum.

00:44:41: Aber ich finde wenn man fragt was macht einem Hoffnung?

00:44:44: Was gibt deinem Antrieb?

00:44:45: eine andere Frage die so in die gissen in die ähnliche Richtung gibt lust zu haben zu schreiben verbraucht man da gar nichts.

00:44:52: also eigentlich steckt es im einen in uns menschen vielleicht drin Dinge zu tun und anzugehen ganz ohne ziehegrund.

00:44:59: Na ja, man kann ja Briefe schreiben oder wie gesagt Tagebuch.

00:45:02: Man muss nicht veröffentlichen das ist eine ganz andere Frage.

00:45:05: und wenn man anfängt zu schreiben also ich habe angefangen zu schreiben naja so fast als Kind weil meine Mutter hat mir mal Tagebücher geschenkt so zum Abschließen Ja und wo man dann das ganze kindliche Ungegrenzschreiben konnte Das hat man ja nicht.

00:45:22: oder auch später wenn ich geschrieben hab Tagebühler habe Ich ja nie macht um um das zu verkaufen oder damit Geld zu verdienen, sondern einfach weil ich es Bedürfnis hatte.

00:45:34: Und das nimmt einem ja keiner und ist auch etwas ganz Unabhängiges.

00:45:39: Dann darf ich sagen dass ich mir wünsche, dass trotzdem noch veröffentlicht wird was sie in Zukunft schreiben und danke ihnen für das Gespräch und weise nochmal alle auf das neue Buch von Monika Maron hin.

00:45:49: vielleicht sind hier doch einige dabei die noch lesen.

00:45:53: Ja hoffentlich!

00:45:57: Vielen Dank, Mama.

00:45:58: Ich danke Ihnen

00:46:07: auch!

00:46:10: Wenn Sie noch nicht dabei sind, werden sie digitalerwohnend unter chrismon.de slash doppeltgut.

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