Autor Yannic Han Biao Federer: Trauer ist meine Beziehung zu meinem Sohn
Shownotes
In der 70. Folge von „Über das Ende“ spricht Konstantin Sacher mit Yannic Han Biao Federer. Der Autor ist Vater eines toten Sohns. Gustav kam bereits tot auf die Welt. Wie es dazu kam, was diese Erfahrung mit ihm gemacht hat und warum sie die Liebe des Vaters zu seinem Sohn nicht schmälert, hat Federer in seinem Memoir "Für immer sehe ich dich wieder" geschrieben.
Im Podcast erzählt er davon, was Gustavs Tod mit ihm und seiner Beziehung gemacht hat. Er berichtet von seiner Trauer, die nicht enden soll. Und erzählt, wann er Zeichen von Gustav erhält und warum der Glaube für ihn wichtiger geworden ist.
Yannic Han Biao Federer wird am 16. September 2026 mit dem Robert Geisendörfer Preis 2026 in der Kategorie Hörspiel ausgezeichnet.
Das Gespräch wurde im August 2026 aufgenommen.
Mehr Informationen zu Yannic Han Biao Federer finden Sie auf seiner Website:
https://yannichanbiaofederer.de/
Dort können Sie auch seine Bücher bestellen. Das geht aber auch direkt über den Verlag:
https://www.suhrkamp.de/person/yannic-han-biao-federer-p-15083
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Was erfährt man über das Leben, wenn man über den Tod nachdenkt? Das fragen die „Über das Ende“-Hosts Konstantin Sacher und Julia Schnitzlein spannende Menschen im Podcast. Wir freuen uns, wenn Sie zuhören!
Transkript anzeigen
00:00:00: Also wie soll ein menschliches Bewusstsein das Eigen der Nicht-Existenz vorstellen?
00:00:04: Das entzieht sich ja vollständig und man kann es gar nicht begreifen.
00:00:10: Und ich habe eine ganze Zeit lang gebraucht, bis ich es begreifend konnte.
00:00:14: Völlig im Schock war und gerade verarbeiten muss dass meine Frau grade noch so überlebt hat mein Sohn nicht überlebet hat.
00:00:23: also ich hab sofort entschieden, dass wir Gustav selbst beisetzen.
00:00:28: wenn man in diesen ersten Stunden und Tagen nicht richtig aufgefangen wird, dann kann Ende um viel kaputt gehen.
00:00:36: Hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge von Über das Ende Ihrem Christmom-Podcast.
00:00:40: Wir sprechen heute wie immer über den Tod und den Sinn des Lebens.
00:00:43: Mein Name ist Konstantin Sacher Und unser Gast ist heute Janik Hannbjau Federer.
00:00:49: Schön dass Sie da sind.
00:00:49: Hallo
00:00:50: Danke für die Einladung.
00:00:51: Schön dass sie sich Zeit genommen haben Und wir haben immer eine erste Frage Die gleiche ist Und ihr lautet Wann haben Sie denn das letzte Mal an ihren eigenen Tod gedacht?
00:01:00: Das kann ich nicht so genau benennen, aber ich weiß dass es so gut wie täglich passiert und das auch in den beneinsten Situationen.
00:01:09: Wählt Ihnen eine Situation ein?
00:01:11: Ich glaube das ist häufig so wenn ich schreibe und einen Dokument schließe... ...dass sich mich dann Frage versteht auch jemand.. Wenn ich nicht mehr hier bin was ich da gerade wollte und das dann wie so ne Beunruhigung, so nen Text unfertig liegen zu lassen.
00:01:26: Dass ich das Gefühl habe.
00:01:27: ich muss mich jetzt beeilen damit dass noch jemand versteht, wenn nicht das erklären kann und daneben stehen kann.
00:01:33: Also sozusagen der sprichwörtliche Tod des Autors, der einem da immer auf den Fersen ist.
00:01:37: Sind Sie dann kurz schockiert?
00:01:39: Ja und nein!
00:01:39: Auf der einen Seite ist mir der Tod seit einigen Jahren sehr nah als Thema oder als Realität.
00:01:47: Und zum anderen ist es doch irgendwie absolut unbegreiflich.
00:01:52: Wie soll man sich... wie soll ein menschliches Bewusstsein die eigene Nicht-Existenz vorstellen?
00:01:59: entzieht sich ja vollständig und ich erinnere mich, dass ich auch als weiß ich welchem Alter das war.
00:02:05: Ich stelle mir das jetzt in meiner Pubertät vor, nämlich mal an, dass es mit der Regelmäßig versucht habe vorzustellen tot zu sein und wirklich auch versucht hat mir zu sagen diese Hand die wird mal irgendwo liegen und dann wird quasi Fleisch und Haut usw.
00:02:16: weg sein und eventuell noch ein paar Knochen da sein und das würde gleiche Hand sein, die ich gerade anschaue und bin aus diesem Gedanken aber nicht klargekommen, weil das einfach so unvorstellbar ist.
00:02:25: Ja es ist wirklich unvorstehbar!
00:02:26: Ich weiß gar nicht mal welchen Zusammenhang das war, ein Foto von mir gemacht wie man so liegen würde wenn man im Sarg lege.
00:02:34: uns sich selbst anzugucken ist auch eine komische Erfahrung.
00:02:38: Vielen Dank für diese erste Antwort und ich stelle sie jetzt unseren Hörern erstmal vor damit alle wissen mit wem wir heute sprechen.
00:02:46: Janik Hambi auf Federer ist Schriftsteller und der schreibt Romano und er schreibt auch fürs Theater Und er hat es im Mimoir geschrieben, für immer sehe ich dich wieder.
00:02:55: Das später auch zu einem Hörspiel gemacht wurde und für dieses Hörsspiel bekommt ihr zusammen mit der Regisseurin Cordula Dickmeis den Robert Geistendorferpreis in der Kategorie Hörfunk.
00:03:09: Das ist jetzt noch eine Neuigkeit.
00:03:11: Eigentlich darf man das noch nicht sagen aber ich habe mir die Sondergenehmigung eingeholt, dass wir es schon mal erzählen dürfen.
00:03:16: Der Robert Geissendorfferpreis ist der evangelische Mädchen im Preis und Chris Montes, einer der Medienpartner.
00:03:22: Und in diesem Text von Ihnen Herr Federer geht es um Ihr erstes Kind und um den Tod dieses ersten Kindes.
00:03:30: Gustav heißt er und Er ist im Bauch ihrer Frau Charlotte gestorben.
00:03:36: und ich würde sagen In dem Buch geht es Um den Umgang mit dem Tod des Kindes, um die Reaktionen der anderen Menschen aber auch so ein bisschen um die Frage fand ich als ich's gelesen habe ändert eigentlich die Lebenszeit oder die Kürze der Lebenszeit etwas an der Bedeutung von Leben.
00:03:53: Es ist ein sehr intensives Buch, was ich allen schon mal empfehlen kann.
00:03:56: Das Hörspiel kann nicht empfehle.
00:03:57: Wir werden es auch in den Show-Nutz verlinken.
00:04:00: Ja Herr Federer!
00:04:01: Ich habe im Fernsehbeitrag über Ihr Buch gesehen und gehört, dass Sie mittlerweile aber wieder ein Kind bekommen haben.
00:04:16: Kleine Schwester, müsste man vielleicht sagen bekommen hat.
00:04:18: Haben Sie ihr schon mal von ihrem großen Bruder erzählt?
00:04:21: Ja also dass Ihr Bruder ist in Ihrem Alltag integriert.
00:04:27: das ist nichts was irgendwie vor ihr versteckt oder verborgen wird einfach weil wir sehr sehr häufig auf den Friedhof gehen.
00:04:35: der Friedhof ist auch sehr nah.
00:04:37: zum Glück bei uns ist auch ein sehr schöner Ort, ungefähr der schattigsten und grünste Ort, den man im Kölner Osten so hat.
00:04:46: Das heißt das es auch nicht irgendwie schlimm dort hinzugehen sondern einfach schön sich da drauf zu halten.
00:04:52: und dort ist dann natürlich immer Thema wem jetzt das Spielzeug da gehört und warum wir hier sind.
00:04:57: und da muss man eher erklären dass sie damit nicht unbedingt spielen soll weil das eben ihr Bruder gehört.
00:05:04: wenn sie sich einmal dran erinnert wird, sie glaube ich gar nicht wissen wann das Thema geworden ist weil es immer schon Thema war.
00:05:08: Wie lange ist denn der Tod jetzt eigentlich her?
00:05:11: Gustav Fähre jetzt dreieinhalb
00:05:14: und das heißt Sie gehen immer noch.
00:05:17: also im Buch kommt es ja auch vor, kommt regelmäßig der Gang auf den Friedhof vor.
00:05:20: Der Friedhof spielt auch eine Rolle Und auch so ne Geste dass die mit zwei Finger auf das Kreuz legen.
00:05:27: Das hat sich bisher nicht geändert.
00:05:28: oder hat sich daran irgendwas geändert an der Regelmäßigkeit?
00:05:32: Eigentlich haben sie ja schon gesagt, Sie gehen immer noch regelmäßig hin.
00:05:35: Ja also das Einzige was jetzt einfach mit der Witterung zu tun hat oder dem Klimawandel zu tun ist dass die Hitze im Sommer so unerträglich ist dass das teilweise nicht so leicht ist.
00:05:48: wenn es also thirty-fünf Grad hat und einem von unten gefühlt fünfzig Grad entgegen strahlen vom Beton ist dann der Frieder von Bola so nah ist doch plötzlich sehr weit entfernt.
00:05:58: Aber ansonsten ist das eigentlich unsere tägliche oder beinaht tägliches Spaziergut, würde ich sagen.
00:06:04: Trotzdem ist es natürlich auch so und das haben wir sehr früh schon bei anderen Kräbern gesehen die da an... Das beschreibe ich auch im Buch dass das ein Kinderreinkrab ist also dass man dort eine Reinkräberanordnung hat wo eben tatsächlich wie es bei Reinkräbern eben in chronologischer Abfolge dort die Kinder liegen Todestag, wie da natürlich immer sehen konnten wo die Eltern häufiger und weniger häufig sich ums Grab kümmern konnten.
00:06:35: Und wir haben da schon immer nachher uns vorgestellt was alles in dem Leben der Menschen los sein muss dass man es eben einfach nicht schafft.
00:06:42: und so ist das eben jetzt auch bei uns Wo Gustav Schwester auf der Welt ist Dass sie jetzt aber so viel im Beschlag nimmt, dass wir es nicht so häufig schaffen das Grab so zu richten wie wir es gerne hätten.
00:06:54: und das ist natürlich manchmal schwer So zu sehen und gleichzeitig umso schöner, wenn man es doch endlich schafft.
00:07:01: Und sich die Hörgartenhandschuhe und die ganzen Gerätschaften, die man sich da eben so zugelegt hat dafür, Ende wieder rausholen kann und da wieder was schön machen kann.
00:07:11: Und gleichzeitig versuche ich da immer... Wie soll ich sagen?
00:07:15: Mir zu sagen dass ich glaube und hoffe das Gustav nachsichtig ist mit uns einerseits und andererseits.
00:07:19: Es vielleicht auch ein bisschen bursche, dass wir das da aussieht weil er am ende hoffentlich überall sein kann und nicht irgendwie da festgebunden ist an an diesem einem Ort, wo sein Körper eben begraben worden ist.
00:07:32: Ich hatte jetzt ja einfach nur relativ kurz gesagt er ist im Bauch der Mutter gestorben.
00:07:37: vielleicht können sie für die Hörer und Hörern einmal noch mal ein bisschen ausführlich hat ihr sozusagen die Grundgeschichte den Ausgangspunkt ihres Buches erzählen.
00:07:44: wie kam es denn dazu?
00:07:46: Gustav ging es gut, Gustav war ein gesundes Kind.
00:07:49: bei sämtlichen Untersuchungen wurde uns bestätigt, dass man sich da keine Sorgen machen muss.
00:07:57: Es gab keinerlei Anlass für uns irgendwie zu glauben, was passieren könnte und eines Morgens bin ich aufgewacht und Scholotate leichte Diffuse-Schmerzen und ein bisschen Allgemeines Unwohlsein und der Chefarzt hat uns später gesagt das man mit den Symptomen die sie hatte eigentlich nicht ins Krankenhaus geht weil es eben eigentlich immer sich erklären lässt durch die üblichen Schwangerschaftsverschwerden, nur dass eben in diesem einem seltenen Fall die Plazente sich gelöst hatte und unser Sohn zu dem Zeitpunkt vermutlich schon tot war.
00:08:32: Und das war dann ein eurer Schock und eine... Ich kann das gar nicht beschreiben.
00:08:39: also man wacht auf und befindet sich plötzlich in einem Film der aber nicht endet weil er eben die Realität ist.
00:08:49: Man kann es gar nicht begreifen Und ich habe eine ganze Zeit gebraucht, bis ich es begreifen konnte.
00:08:54: In Ansätzen das begreifend konnte.
00:08:55: Weil es eben einfach von einem Moment auf den anderen kam.
00:08:59: ein Bruch im Leben der Ohne Ankündigung ohne... Ich weiß so, ich hab Monate nach seinem Tod im Zeitungsartikel gelesen wo's um der Fachbrach sagt man den intrauterien Kindstod also eben den Tod in der Mutterleib wurde ja mit einer Wahrscheinlichkeit beziffert worden ist und welche Wahrscheinlichkeiten das eintritt.
00:09:21: Diese Zahl gelesen gedacht, ja früher hatte ich mich damit getröstet oder was nicht getröstet.
00:09:25: Früher hätte ich das sozusagen als unerhebliches Risiko zur Seite geschoben und gedacht haben darum muss man sich jetzt so wirklich nichts sorgen.
00:09:33: Und doch passiert es eben und wenn man diese geringe Wahrscheinlichkeit auf die Bevölkerung und auf all die Geburten, die eben statt hinten hochrechnet gibt's dann auch eine ganze Menge Betroffener, durchleben mussten.
00:09:50: Das
00:09:50: heißt, die schreiben das auch.
00:09:51: einmal glaube ich im buch dass irgendjemand sagt es sei eine fehlgeburt gewesen und das ist sie aber ärgert weil es war es ja nicht sondern es war was anderes.
00:10:00: wenn man sich damit noch nicht beschäftigt hat dann könnte man auf die idee kommen sozusagen bevor bevor dem sagen wir der regulären geburt vor dem auf die welt kommen sei es ein fehlgeburt.
00:10:10: aber da gibt es eben doch noch differenzierungen.
00:10:12: das ist ja vor allem der war ihr sohn ja schon sehr weit fortgeschritten.
00:10:17: Das war ja schon, ich glaube die steht heißt irgendwie so das letzte Drittel der Schwangerschaft.
00:10:24: Ja also an diesen Begrifflichkeiten hängen tatsächlich eben auch rechtliche Konsequenzen.
00:10:27: zum damaligen Zeitpunkt war es auch so dass man mit einer Fehlgeburt auch keinerlei Schutzmaßnahmen oder Schutz kein rechtlichen Schutz hatte um sich holen zu können sondern als Mutter, die geboren hat.
00:10:43: Was ich krank schreiben musste.
00:10:45: Das ist inzwischen ja zum Glück geändert worden durch den gestaffelten Mutterschutz, den es dann schon gibt.
00:10:52: Damals war das eben so dass erst in dem Moment wo das Kind eine bestimmte Schwelle überschritten hat, die entweder im Gewicht oder am Alter hängt erst dann eben Mutterschutz hinzugekommen ist und entsprechend An der Situation geärgert.
00:11:09: weniger, weil da jetzt jemand den Begriff nicht korrekt drauf hatte.
00:11:12: Sondern weil jemand eben wollte dass wir eine Krankschreibung uns holen und das hat mich einfach geärger, weil die Person uns davor die Pruschüre geschickt hat, in der genau beschrieben war wie die rechtliche Situation an sich aussieht und ich dir dann quasi aus der Pruschur, die sie mir geschickt hatte vorlesen musste was denn jetzt eigentlich ihre Arbeit wäre nämlich sich um uns zu kümmern, weil das eben ihr Job ist.
00:11:32: Ich hatte nur in dem als ich es gelesen habe oder auch als ich's gehört hab hab beides gemacht, weiß ich nicht mehr genau was.
00:11:38: War nur im Buch oder auch im Hörspiel war es ja nicht alles ganz gleich.
00:11:44: da fielte mir doch oft dass das so immer wieder rüberkommt in ihrer Situation damals.
00:11:49: für sie war das eben ein ihr verstorbenes Kind und aber für alle anderen um drum herum war's vielleicht weiß ich nicht, vielleicht gehen Routine aber etwas was öfter mal vorkommt oder eben auch noch nicht mehr ein richtiger auf die Welt gekommener Mensch so.
00:12:07: Ich denke jetzt an diese eine Szene wo sie das Kind dann wieder zurück nochmal bekommen und Sie haben ja dann auch zu beschreiben oft dass sie... Also in einer gewissen Zeit des Buchs, wie das Kind ihnen dann immer noch mal gebracht wird.
00:12:18: Damit sie auch nochmal Zeit verbringen können mit dem toten Kind und dann wird es aber so zugedeckt mit einem Papier.
00:12:23: Und da kommt wieder diese Spannung auf, weil ich mir gedacht habe, dass für Sie ihr totes Kind ist.
00:12:29: Aber für die Schwestern oder die Pflegerinnen, die da kommen... Ich weiß nicht, war's irgendwie was anderes?
00:12:33: Hatte ich das Gefühl?
00:12:34: Ja also in der Situation über die hab' ich auch noch lange nachdenken müssen bis ich irgendwann verstanden habe, man könnte das ja so interpretieren dass die Pflegerinnen, die uns da unseren Sohn gekracht haben im Krankenhaus, dass sie sozusagen Gustav vor fremden Blicken schützen wollten und dem deswegen ein Papier aufs Gesicht gelegt haben.
00:12:54: Diese Deutung hat mir aber immer unwohl sein bereitet weil ich immer dachte wen schwitze sich denn indem ich ihm etwas auf das Gesicht lege?
00:13:01: Das ist eine Geste die eigenartig ist.
00:13:04: Mir fiel er nicht ein wo ich jemals der Impuls hätte jemanden etwas auf's Gesicht zu legen um ihn zu schützen.
00:13:10: Und irgendwann ist ja klar geworden ne es ging nicht um Gustav, sondern es ging um die anderen Menschen im Krankenhaus.
00:13:15: Es ging insbesondere um die andere Hochschwangeren Frauen, die auf der Station waren, auf der wir waren.
00:13:25: Das ist mir erst später klar geworden, dass wir nicht auf der Wöchnerin Station waren wie man normalerweise eingewiesen wird nach der Gerurt, sondern dass wir an einer Station waren für Hochrisikoschwangerschaften weil dort eben die Kinder noch nicht geboren waren was insofern ganz gnädig war wir noch schlimmer für uns gewesen, wenn wir lauter glückliche Eltern um uns rum gehabt hätten, die da gerade ihr Kind kennenlernen.
00:13:49: Ja und ich glaube es ging tatsächlich darum andere davor zu schützen vor erletztlich vor der Realität dass manche Kinder diesen Tod sterben müssen und das ist in der konkreten Situation natürlich verstärktlich auch wenn's mich damals sehr getroffen hat.
00:14:05: Für das Buch tatsächlich auch irgendwie symbolisch geworden.
00:14:08: Weil ich natürlich auch gemerkt habe, dass es für viele erst mal ein Schritt ist sich damit auseinanderzusetzen mit diesem Buch, mit diesem Thema, mit Familien die sowas erlebt haben das man gerne einen Bogen darum macht weil das dann leichter ist.
00:14:21: Es leichte es sich nicht damit beschäftigen zu müssen und dann war das eben ja sozusagen wie so ein sehr verdichtetes Bild dafür, dass manche eben Gustav Dianne lieber verhüllt hätten um nicht wahrhaben zu müssen, wie nah der Tod uns eben
00:14:38: doch ist.
00:14:39: Aber für Sie kam das nie in Frage.
00:14:40: oder glauben sie dass Ihnen das abgenommen wurde durch die Situation?
00:14:44: Dass es nicht infrage kam?
00:14:45: weil also ich weiß es jetzt nicht aber ich könnte mir vorstellen dass ja vielleicht auch Menschen denken er war ja noch nicht im klassischen Sinne auf der Welt und es gibt da einen Unterschied aber es war ja vor...es ist ja...sie beschreiben es sehr intensiv so als es für Sie offen...es war nicht.
00:15:04: Er ist ihr Sohn, er ist irgendwie auf die Welt gekommen aber er ist tot.
00:15:08: Aber trotzdem war es oder ist sehr so.
00:15:09: man sagt schon öfter auch ein Podcast mit Menschen gesprochen der hat Kinder gestorben.
00:15:14: eigentlich wünscht sich immer alles.
00:15:15: man sagt er isst ihr Sohne weil er ist zwar gestorbt aber ist ja trotzdem Ihr Sohn.
00:15:20: Insofern Das wird meine Frage weil das kam für sie gar nicht in Frage.
00:15:25: Oder lag es tatsächlich einfach eine Situation dass diese Fragen gar nicht aufgekommen sind?
00:15:29: Die frage ihnen nichts zu thematisieren Das mag auch sein, dass da hinzukommt.
00:15:37: Dass auf der einen Seite das Schreiben zu mich immer schon Mittel gewesen ist Dinge zu verstehen und Momente zu verstehen die mich verwirren, die mich gleich noch erst hilflos machen und ich mir klar werden muss was eigentlich gerade passiert ist Und es natürlich durch meinen Beruf ein Mittel war, das auf der Hand lag für mich um dem irgendwie erst noch beizukommen, als eine Art ja seltstherapeutische Notmaßnahme oder so.
00:16:07: Anfangs war es auch erstmal nichts anderes als die Aufzeichnung von der Erinnerung und die Aufzeichnung dieser sehr kurzen Zeit, die wir mit Gustav in physischer Co-Präsenz hatten, also um den wir Gustav auf dem Arm herumtragen konnten, ihn sehen konnten, zeitmedien verbringen konnten ohne uns ihn... uns vorstellen zu müssen oder uns gegenwärtigen müssen, sondern eben wirklich da mit unserem Raum.
00:16:34: Und diese Zeit war so intensiv und so kostbar dass ich sehr schnell den Impuls hatte nichts davon vergehen lassen zu wollen ja alles aufzuspeichern was man sonst vergessen könnte.
00:16:46: Und andererseits natürlich auch dieses dunkle Gewirr mit dem wir aus dem Karten rausgekommen sind zu sortieren und daraus eine erzählbare Geschichte zu machen.
00:16:56: also indem ich versuche das aufzuschreiben Bin ich durch die Linearität der Sprache gezwungen, mich zu überlegen was kommt zuerst und was kommt danach.
00:17:04: Und das ist schon auch etwas anderes als unser Erinnerungsvermögen meistens so hergibt wo ja das eine mal mit dem anderen zusammenhängt und die zeitliche Achse nicht unbedingt immer entscheidend ist.
00:17:15: Und sich das nochmal so genau zu überlegern was es zuerst passiert, was dann passiert hat auch dazu geführt wieder Ordnung zu schaffen und... ...das ganze auch Ja dem Ganzen etwas zu geben Was es uns erlaubt, das herauszuholen und davon zu sprechen wenn wir wollen aber auch weglegen zu können für den Moment und nicht dafür bestimmt zu werden sozusagen.
00:17:37: Also ganz klassisch dem Trauma oder einer traumatischen Dauerpräsenz entgegenzuwirken.
00:17:44: Sie haben ja auch dann eine Fotografin ins Krankenhaus geholt die dann ganz viele Fotos gemacht hat oder zumindest scheint es wären viele Fotost gewesen als sie Gustav mit bei sich hatten.
00:17:57: Das habe ich auch noch nie von gehört gehabt, dass es das gibt.
00:18:01: Da gab's ja sogar so eine NGO oder sowas an der sich dafür irgendein eingetragener Verein wo tätige Organisationen dieses als Thema hat.
00:18:11: Das fällt auch in diesem Bereich nicht vergessen wollen und aufspeichern wollen des Erinnerungssammelns.
00:18:19: Ja also das Krankenhaus muss ich jetzt mal hervorheben die waren wirklich sehr gut vorbereitet aus Familien wie uns und auf Todesfälle wie sie eben sich bei uns ereignet hat.
00:18:30: Und die haben uns sehr schnell mit einem Flyer versorgt, dieser Stiftung, die eben unter anderem Listen mit Fotografinnen vorhält, die abtelefoniert werden im Bedarfsfall und also man kann sich das so vorstellen dass auch in der Telefonnummer, die ruft man an und sagt eben wo man ist was passiert ist da wird mir zurückgerufen von Ehrenamtlichen Fotografinnen und Fotografen irgendwie eine geografische Nähe heraus, die dann kommen können.
00:19:00: Die dann eben auch ehrenamtlich Fotos machen, Fotos anfertigen, die auch so aufbereiten wie professionelle Fotografen da eben machen.
00:19:09: Und dann hat sie uns das geschickt als ein Stick und auf CD und also quasi sich da wirklich Mühe machen eben damit.
00:19:17: Ich weiß doch ich habe das am Anfang einfach vollkommen ignoriert weil ich irgendwie in meinem seltsamen Tunnel dachte dass es jetzt einen Flyer von der Unternehmen oder so selbst mal bei sich frezialisiert auf diese Fotos.
00:19:27: Bis Scharlotte mich darauf hingewiesen hat, ne guck mal das ist ehrenamtlich eine Stiftung für genau für uns.
00:19:33: Ruf es doch da mal an und ich bin heifroh dass sie mir diesen Hand gedrückt hat weil dann eben der Fotografen zu uns kam die selbst mehrere Kinder verloren hatte und die das als einer Art hätte das für sich als Umgang und als Bearbeitungen gefunden hat und die für uns nicht nur wegen der Fotos wichtig war sondern auch tatsächlich zum Vorbild geworden ist, weil sie kam da rein und hat superprofessionell Fotos von uns gemacht.
00:19:59: Also nicht nur professionell von der Fotografie her sondern auch die Art und Weise wie sie mit uns umgegangen ist.
00:20:04: also es ist ja jetzt nicht ganz leicht mit so völlig zerschlagenen und verwirrten Menschen umzugehen, die da erstmal versuchen wieder klarzukommen.
00:20:13: Und sie war... Die erste Person, die uns begegnet ist wo wir gedacht haben okay ihr habt das geschafft durch ihre Katastrophen so durch zu gehen und steht hier im Leben und wirkt wie ein glücklicher Mensch oder wie ein Mensch, der jetzt nicht bereut, dass er heute Morgen aufgebracht ist.
00:20:30: Vielleicht gibt es für uns auch irgendwie Hoffnung und das war ein ihres Geschenk, dass sie uns da besucht
00:20:36: hat.".
00:20:38: Jetzt kommt die Werbung!
00:20:39: Kennen Sie Chrismon eigentlich schon?
00:20:40: Bei uns dreht sich alles um das Leben.
00:20:42: Freude und Leid, Glück und Unglück immer mit dem Blick auf Lösungen.
00:20:46: Mut zum Leben – Das is Chrismon.
00:20:48: Wenn Ihnen das gefällt und wenn Ihnen dieser Podcast gefällt werden sie Digitalagon nennt.
00:20:56: Ich habe es ja nicht gesehen, aber ein Foto was Sie beschreiben in Erinnerung und zwar dieses Foto wo sie schreiben dass die gesehen haben das Gustav einen C unter den anderen geklemmt hat.
00:21:13: Und dann fragen sie sich ob er das wohl selbst gemacht hat noch mit letzter Kraft?
00:21:22: in seinem Kampf um sein Leben vielleicht oder ob es später irgendwie durchs Hinlegen oder so verrutscht ist.
00:21:27: Und da kam ich vor allem auch auf die Frage, wie Sie eigentlich als Vater sozusagen Kontakt zu ihm aufgenommen haben?
00:21:37: Weil das ist ja noch mal was anderes!
00:21:39: Ich erinnere das aus meinem eigenen Vaterschaft für drei Kinder.
00:21:45: Solange das Kind im Bauch ist weiß man zwar, dass der Vater ... Man kann ja nicht so richtig Kontakt aufnehmen.
00:21:53: Das ist ein bisschen anders als bei der Mutter, die ihr direkten Kontakt hat und bei ihnen war es jetzt sozusagen so dass sie dann in diesen Kontakt, den man dann als Vater wenn das Kind auf die Welt kommt und das anfängt zu sein und man wirklich mit das anfassen kann interagieren kann, aber das gab's ja nicht weil Gustav eben Tod auf die.
00:22:12: Und dann ist eben so ein Detail vielleicht, habe ich gedacht.
00:22:15: Womit man sich noch versucht ein bisschen zu vorzustellen was er gemacht hat?
00:22:19: Was er gemacht haben hätte können diese...
00:22:22: Also was ich tatsächlich nie vergessen werde und was es sich mir wirklich eingebrannt hat, ist tatsächlich sein Gewicht auf meinem Arm.
00:22:32: also als ich das erste Mal auf dem Arm hatte und ihn dann auch schon nicht mehr loslassen konnte.
00:22:39: Ich musste mit ihm da hin und her durch das Krankenhauszimmer und habe auf ihn eingeredet, weil ich irgendwie die Vorstellung hatte dass ich ihm jetzt alles sagen muss was... ...ich ihm mitgeben möchte.
00:22:54: Ihn ganze Familie erklären und also letztlich seinen Weg in die Welt.
00:23:00: mehr oder weniger wollte ich ihm halt lernen.
00:23:02: Wer ist wo wie unterwegs gewesen damit am Ende eher auf die Welt kommen konnte?
00:23:07: Also ich hab dann eine gesamte Familie versucht einmal zu beschreiben.
00:23:13: Ich habe alle Nachrichten vorgelesen, die uns erreicht haben.
00:23:15: Die uns kodoliert haben also die Ersten, die das eben von unseren Jahren hatten.
00:23:20: und vielleicht war es eben auf eine Weise auch der Versuch des Aufholens zu wollen dass ich bis dahin eben nur wenig Gelegenheit hatte direkt einen Kontakt bedient zu haben.
00:23:33: Und umgekehrt war das für Scharlotten natürlich sehr viel schwieriger weil eben sie in einer Notoperation hinter sich hatte.
00:23:37: Also eine Notoperation am Bauch was jetzt nicht irgendwie ne kleine Sache ist nochmal eine vollständig andere Geschichte als ein geplanter Kaiserschnitt.
00:23:45: Also das ist wirklich anders und sie konnte eben nicht mit ihm durch die Gegend laufen, also sie konnte natürlich einen Arm nehmen aber es war alles nicht so einfach für Sie.
00:23:55: Und so hat sich das dann eben unterschieden dass sie durch die Schlangerschaft ihn natürlich viel näher bei sich hatte, aber ich stand im Krankenhaus mehr.
00:24:03: Mit dem Sprechen wurde auch mehr Kraft hatte letztlich weil er einfach sehr mitgenommen war von dieser Notopäe, gerettet hat, weil das für sie auch
00:24:12: knapp war.
00:24:13: Das habe ich mich auch gefragt beim Lesen.
00:24:14: Ist es denn sozusagen ein Automatismus?
00:24:16: Denn dass Krankenhaus Ihnen angeboten hat, dass ihnen das Kind dann immer noch mal gebracht wird und dass Sie Zeit mit dem Kind haben oder ist das letztendlich von Ihnen ausgegangen, dass Sie das wollten und eingefordert haben?
00:24:26: Nee!
00:24:26: Und also deswegen... Deswegen hab' ich das gerade eben versucht anzudeuten.
00:24:32: Das Krankenhaus hat wirklich das Wahnsinnig gut gemacht und ich weiß inzwischen dadurch, durch die Lesung und durch andere Legenheiten, dass das nicht immer so ist.
00:24:46: Aber sie hatten eine wahnsinnig gute Struktur sag ich mal weil ich war in dem Moment nicht in der Lage groß irgendwelche oder ich habe einige Entscheidungen sofort getroffen.
00:24:55: da weiß ich irgendwie nicht wie ich das auf dem Schirm haben konnte.
00:24:59: also ich hab sofort entschieden dass wir Gustav selbst beisetzen und nicht irgendwie auf die.
00:25:05: es gibt solche Sammelbestattung des Krankenhauses, das darf man sich jetzt nicht so anonym vorstellen wie es einmal gewesen ist.
00:25:12: Sondern die geben sie tatsächlich Mühe und das ist insbesondere natürlich eine Kostenfrage.
00:25:16: Das heißt Menschen, die wenig oder kein Geld haben, die werden eventuell auch dankbar sein, dass die eben der eigene Kirche, die haben eine eigene Seelsorge, die Karre und Priester.
00:25:27: die, die da kommen können und dann wird das quasi zu einer Sammelbestattung mit gemeinsamer Beisetzung usw.
00:25:35: Und sie haben einen eigenen Friedhof auch der irgendwie aus historischen Gründen offenbar beim Krankenhaus direkt angebietet ist.
00:25:41: aber ich habe mich sofort dagegen entschieden hab sofort gesagt ne das machen wir selbst auch wenn ich jetzt retrospectiv mich frage also ich würde es natürlich immer noch Beheue diese Entscheidung nicht im Geringsten, finde ich absolut richtig.
00:25:52: Ich wundere mich über mich selbst, dass ich das in dem Moment gewusst habe also in einem Moment wo ich völlig im Schock war und gerade verarbeiten muss, dass meine Frau grade so, gerade noch so überlebt hat, mein Sohn nicht überlebte, dass sie dazu Entscheidungenfähig waren.
00:26:07: aber bei ganz vielen anderen Dingen haben die uns das gar nicht aufgenötigt sozusagen sondern da war irgendwie klar, da haben uns die Pflegerinnen und Pflegar immer wieder versichert er ist hier Sie rufen es an, dann bringen wir ihn.
00:26:20: Wir holen ihn wieder.
00:26:22: Wir hätten ihn auch noch länger behalten können sozusagen.
00:26:27: Weil wir konnten irgendwann Kräfte von unseren Kräften hier nicht mehr.
00:26:31: Aber das ist eben etwas was die dort für uns möglich gemacht haben und dafür sind wir sehr dankbar.
00:26:37: weil ich häufig das Gefühl habe dass dieser anfängliche Trauerprozess oder vor allem dieser Schockmoment wir da nicht aus richtigem Gleis gesetzt worden wären, dann weiß ich nicht ob wir so rausgekommen werden wie wir rausgekommen sind.
00:26:52: Also ihr habt das Gefühl wenn man in diesen ersten Stunden und Tagen nicht richtig aufgefangen wird, dann kann Änderung viel kaputt gehen was hinterher vielleicht nur noch mit Mühe wieder zu reparieren bestimmt nicht aber irgendwie möglich zu flicken wäre.
00:27:07: Ich hatte vorhin schon gesagt es sind verschiedene Dinge die diese im Buch thematische Aufrufen werden.
00:27:12: eine Frage oder ein Thema ist sicherlich auch die Beziehung zwischen ihnen und ihrer Frau.
00:27:19: Das habe ich jetzt gerade schon ein bisschen angedeutet, das ist natürlich für sie noch mal... oder Sie haben es auch gerade nochmal gesagt, dass es gefährlich war auch für sie und dass sie auf das Kind vorher lange hatte.
00:27:28: Und der Mann ist dann in einer ganz anderen Situation.
00:27:31: beide Trauern aber vielleicht auch unterschiedlich?
00:27:34: Man weiß aus vielen Versuchungen, dass viele Paare zerbrechen am Tod eines Kindes gar nicht einfach sich sozusagen als Paar wiederzufinden.
00:27:43: eigentlich Und das kommt ja auch vor im Buch, dass sie dann nach einer gewissen Weile auch... Sie leben in Köln.
00:27:50: Aus Kölnen weggehen und auf Reise gehen und dann gemeinsam auf Reis sind und da nicht immer alles einfach ist.
00:27:56: Es wird jetzt nur angedeutet im Buch.
00:27:58: aber was hat Ihnen...?
00:28:00: Vielleicht können Sie etwas erzählen?
00:28:01: Wie haben Sie das gemacht?
00:28:02: Hat Ihnen was geholfen?
00:28:03: Haben Sie eine Idee warum es geklappt hat?
00:28:05: Warum Sie nicht zerbrochen sollen daran?
00:28:07: Ich glaube erst mal muss man verstehen, dass das strukturell sehr schwierig ist.
00:28:11: also wenn eines unserer Elternkeile sterben würde, dann wäre es so dass der eine Partner unmittelbar stark getroffen ist und der andere sozusagen eher stützen kann.
00:28:23: Oder wenn ein enger Freund stirbe oder wenn er auch immer normalerweise wäre einer immer stärker betroffen als der andere und das ein Kind eben stirbt, ist der Fall, dass eben beide sehr intensiv getroffen sind.
00:28:37: natürlich nochmal gibt es da Unterschiede weil eben nur eine Person geboren hat und die andere nicht.
00:28:42: Daraufs ergeben sich schon mal große Unterschiede wie der Trauerprozess laufen kann.
00:28:46: Also schlicht, dass eine Person oder jetzt in unserem Fall eben Charlotte eine Notoperation hatte und sehr viel liegen musste erstmal gesundheitlich wieder auf die Beine kommen musste während ich eben gesundheitliche nicht eingeschränkt war aber eben alles andere dann auffangen musste das ist einfach strukturell total schwierig weil man sich zwar gegenseitig stützen muss und gleichzeitig auch immer selbst unmittelbar betroffen ist.
00:29:13: Was uns wahnsinnig geholfen hat, war tatsächlich dieser Schreibprozess weil der relativ früh nach der Entlastung aus dem Krankenhaus sobald hier die ersten Tage waren wahnsinnigen intensiv und wenig schlafe und es war andauernd also leider die Beerdigung zu organisieren und hinzukriegen ja unglaublich aufreibend.
00:29:36: aber als ich dann so die ersten tage gab wo mal eine halbe stunde zeit war das waren dann da habe ich die ersten Tage, wo ich mich hingesetzt hab und angefangen, aufzuschreiben.
00:29:45: Und das war eben nicht so dass sich mir einfach vergrümelt haben.
00:29:48: dann habe ich geschrieben sondern... Das war in der Regel immer so, dass wir uns hingesetzt haben und erst darüber gesprochen haben.
00:29:55: an was erinnern wir uns?
00:29:56: Was ist zuerst passiert, was ist dann passiert?
00:29:57: Dass sie wirklich diese Situation versucht haben minuziös aufzudröseln, wann hatte ich die Hebamme eigentlich nochmal genau umarmt?
00:30:02: War das im einen Raum oder was am anderen Raum?
00:30:05: Wie viele Tabletten hast du da eigentlich bekommen?
00:30:07: wie oft haben wir die bekommen?
00:30:08: Habe ich die aus dem Blister rausgepresst, dass du die raus gepresst
00:30:10: usw.?
00:30:12: Das heißt, Sie haben immer gefragt.
00:30:14: Sie haben sozusagen nicht alleine sich hingesetzen aufgeschrieben sondern sie haben gesagt Schlotte wie war das?
00:30:19: und dann haben Sie jetzt notiert.
00:30:21: währenddessen?
00:30:21: Notiert habe ich nicht aber wir haben gemeinsam durchgesprochen wie das war eben Und dann hab' ich mich verkrümelt darauf aufgeschrieben oder hab' geschrieben hab nach einer Möglichkeit gesucht daraus eine literarische Erzählung zu machen und bin dann mit dem Laptop zurück und hab' eben vorgelesen und dann hat schon was irgendwie gesagt das gefällt mir, das gefellt mir nicht.
00:30:37: kannst du das anders machen, kannst du dass so machen?
00:30:39: Und das wurde zu einem täglichen Trauerritual.
00:30:42: Was eben dazu geführt hat, dass wir – also später ist es mir dazu klar geworden – dass wir damit in die Nähe gekommen sind von ganz vielen therapeutischen Modellen.
00:30:51: Also irgendwie, dass man sich andauernd sozusagen exponiert diesem Geschehen und dass man es erzählbar macht, dass sie sich immer wieder vor Augen holt um es dann auch wieder weglegen zu können usw.
00:31:01: Das war aber so nicht geplant oder so sondern es ging mir erst nur darum, dass dass wir das alles behalten können dieser Erinnerung, die wir in Gustaf hatten.
00:31:11: Das eine und das andere war das Reisen, weil uns erlaubt hat eben einmal unsere Umgebungen der wir uns dann befunden haben und auch uns selbst die Möglichkeit zu geben um es für ganz normale Menschen zu halten, die nicht gerade durch eine Irrekatastrophe durchgegangen sind sondern die konnten zum Grund als sie mehr nur Touristen wären, dass wir einfach nur hier uns gerade eine gute Zeit machen und wo wenn wir beäuten konnten wir dann eben die Trauer wieder rein lassen könnten den Anlass der Reise eigentlich uns wieder bewusst machen und das war eine wahnsinnige Entlastung.
00:31:40: Und an dieser Reise ist es ganz eigenartig, an diese Reise denken wir wahnsinnig gern zurück obwohl sie so traurig waren.
00:31:47: Und auch jetzt wenn wir diese Orte wieder besuchen also erst letztens waren wir in Kardo am Meer wo wir eben damals auch gewesen sind und es war so eigenartige diese Orten diesen Orten wieder zu begegnen weil es wie mehr Begegnungen sich selbst gewesen ist und wird da auch gemerkt haben wie durch was im Film oder durch was für eine verkrümmte Optik wir da in die Welt rausgeschaut haben.
00:32:07: Weil, als wir es dann rumgelaufen dachten, boah hier ist der Wahnsinnig schön und das haben wir alles kaum wahrgenommen sondern ich weiß nicht, ich weiß noch, ich hab da ja auch mehr rausgeguckt man musste mir diese Wellen reinziehen Und das hat irgendwie in den Moment ein bisschen gut getan aber ansonsten habe ich nichts wahrgenommen.
00:32:21: Ja
00:32:22: Sie haben jetzt ja immer wieder gesagt dass es ging darum bis fest zu halten also sowohl das Buch als auch die Fotos und auch immer noch gehen sie auch zum Friedhof ganz viel.
00:32:32: Gleichzeitig kommt irgendwo auch mal der Satz vor im Buch.
00:32:35: Die Zeit halt heilt alle Wunden ja, ja.
00:32:38: Gleichzeitig dachte ich dann naja die Zeit halt zwar nicht alle wundern aber sie schickt alles ins Vergessen.
00:32:44: also wir wollen oder nicht?
00:32:45: Ja also wir können gar nicht alles festhalten.
00:32:48: natürlich kann man mit einem Buch und mit Fotos kann man versuchen dagegen zu wirken.
00:32:52: aber wir wissen mit der Zeit verblasst die Erinnerung sage ich jetzt Mal haben Sie davor Angst dass das doch eben bestimmte Erinnerungen verschwinden.
00:33:04: Ja,
00:33:05: das bestimmt eine andere Gefahr ist natürlich auch... Also häufig hört man ja, dass wenn Menschen mit dem Tod zu tun haben, dass dann irgendwie das wirklich wichtig ist sozusagen.
00:33:17: Dass sie ganz vieles für unwichtig halten, irrelevant für... Und ich kenne das Gefühl sehr gut, weil ich dann bei vielen, vielen Problemen von anderen Leuten oder von mir selbst irgendwie nur die Achsel zucken konnte.
00:33:30: Weil da dachte man ja hier ist keiner gestorben und hier fehlt keinem ein Bein.
00:33:34: Niemand ist für immer krank also kann es so viel mehr nicht sein.
00:33:37: Das wird man ja wohl irgendwie lösen können.
00:33:38: Also ist mir egal.
00:33:39: Oder lass dich nicht so nah an mich halten.
00:33:41: Und das kann sicherlich ab und zu helfen wenn man irgendwie Gefahr läuft sich von kleinen Dingen so sehr... sich sehr die Laune versauen zu lassen.
00:33:49: Ja, da haben wir einen Finanzamt und dann muss man irgendwelche Dokumente kopieren und hinschicken usw.
00:33:54: Dass man da halt merkt okay das ist jetzt ein Nachmittag der mir versaut ist aber ist nicht so schlimm.
00:33:59: Ist gleich vorbei und dann geht es weiter.
00:34:03: Okay, aber gleichzeitig bildet natürlich die Gefahr dass man ja stückweit Anteil am Leben einbüßt, dass man die Sorgen, die andere Menschen haben, die man selbst hat weniger ernst nimmt und immer alles nur noch am Toten misst.
00:34:18: und das ist natürlich ein erwarmungsloser Maßstab, an dem man dann alles misst.
00:34:23: Und sich da wieder so ein bisschen aufzuweichen und auch die kleinen Sorgen bekommen zu heißen und zu sagen hey es ist super wenn ich kleine Sorgen wahrnehme weil das heißt dass sie großen gar nicht da sind.
00:34:32: Das ist vielleicht auch ein Korrektiv, dass man da irgendwie ab und zu suchen muss.
00:34:35: Man muss sozusagen doch auch ein bisschen vergessen.
00:34:37: also oder es ist gesund wie auch immer muss ist natürlich so ein komisches Wort.
00:34:42: auf welcher Ebene muss man das?
00:34:43: aber es ist vielleicht wichtig auch
00:34:45: zumindest etwas beiseite legen können und selbst die Taktung bestimmen muss ich nicht bestimmen lassen, das ist ein Faktor.
00:34:53: Mir geht es manchmal so dass ich wirklich unheimlich froh bin wenn ich zu meiner Trauer zurück finde weil das eben bedeutet dass ich Nähe zum meinem Sohn empfinden kann Und ich glaube Das kann ich nicht die ganze Zeit in maximaler Intensität Wenn es mir genommen wäre, dann gleich ärmer.
00:35:18: Ervorstellend ist man vielleicht dass sie auch eine Verrate ist das zu starker Wort aber sozusagen gegenüber ihm vielleicht empfinden können und dass man denkt ich was sieht man dass dass sie's ihm schuldig sind oder wie auch immer.
00:35:31: also wissen Sie was ich meine?
00:35:33: Ja ja das ist ein sozusagen einen... Ich hab das immer die normative Kamera genannt, die man auf sich gerichtet fühlt.
00:35:43: Also eine normative Kamera, die den Trauerprozess bewertet, beurteilt und überwacht.
00:35:48: Und das ist natürlich komplett selbst vorgestellt und eingebildet weil... Die gibt es ja erst mal nicht!
00:35:53: Aber ich habe das immer wieder von anderen Trauern gehört und kenne das sehr gut, dass man in bestimmten Momenten das Gefühl hat Ich verhalte mich gerade nicht so wie ich mir Trauer vorzustellen habe.
00:36:04: Das haben wir zum Glück sehr früh für uns reflektieren und zumindest infrage stellen können.
00:36:10: Leute gemerkt haben, die Trauer ist schwer genug und dann einen albernen Moment zu haben auch wenn man eigentlich völlig zerstört das gerade.
00:36:18: Ist doch gut.
00:36:19: also es ist doch gut dann einmal lachen zu können weil man dann zumindest so ein moment Entlastung hat und sich dann schlecht zu fühlen weil man vermeintlich einer eine norm des trauerns nicht entspräche die man sich vollständig selbst erstellt und einem der wir sie selbst miss macht das einfach nur doppelschwer.
00:36:34: Das klingt natürlich so als wenn ich das total raus hätte und und dann nie damit sozusagen zu tun gehabt hätte, das stimmt natürlich nicht.
00:36:41: Aber es hilft mir sehr solche Gedanken im Zaum zu halten und zu sagen... Das ist alles schwer genug!
00:36:47: Und meinem Sohn krieg ich trotzdem mich zurück.
00:36:50: Er hat niemals was davon wenn ich jetzt so tue als wenn ich eine Norm entspräche und dann mich in diesen und jeden Abständen zu erinnern habe, so viel Kerze in die Kirche zu tragen habe und so uns auf einem Grab zu stehen habe.
00:37:01: Sondern am Ende ist es so dass Michus da hoffentlich immer begleitet und immer hier ist Jetzt nicht so wahnsinnig entscheidend drauf ankommen, wie oft ich in seinem Grab stehe.
00:37:09: Sondern es ist vielleicht eher wichtig ist das... ...ich eine... ...in der Tiefrüffer benutze im Harbe als eine äußerliche, die man ihm ablesen könnte
00:37:16: beurteilen.".
00:37:16: In diesem Fernsehbeitrag, den ich vorhin erwähnt hab da sagen sie einmal Trauer is Liebe.
00:37:20: und dann wenn ich jetzt denke ich gerade nach dem was ihr sagt naja, das ist auch ein... Auch ne harte Norm, die mal so an sich selbst anlegt weil wenn man Das ist ein Umkurs, das könnte man jetzt natürlich denken.
00:37:30: Wenn ich nicht mehr traure, liebe ich auch nicht mehr was ja nicht stimmt.
00:37:33: in dem Sinne jetzt und vor allem gibt es heißt ja Trauer auch nicht traurig sein.
00:37:36: Man weiß ja, es gibt ganz viele verschiedene Trauerarten aber es ist so eine gewisse Ebene die mitschwirmt.
00:37:44: Naja also es kommt natürlich drauf an was wir unter Trauer verstehen.
00:37:47: Also es gibt dieses Verständnis von Trauer als etwas was dann vorbei zu sein hat.
00:37:54: Es gibt hier das Trauerjahr und wenn das geendet ist dann muss man diese Trauerkleidung nicht mehr tragen usw.
00:38:01: Das kann man gerne so handhaben und ich möchte auch niemandem vorschreiben, wie er oder sie seine Trauer leben möchte.
00:38:09: Für mich ist Trauer nichts was im Haltbarkeitsdatum hat.
00:38:12: Oder es ist auch keine Bunde die zu schließen ist sondern das ist meine Beziehung mit meinem
00:38:19: Sohn."
00:38:27: kommt im Buch auch vor, das Gedicht.
00:38:29: Es hat ja aber auch so eine Art esiatologische Hoffnung in dieser Zeit drin, also ein Verweis auf eine Ewigkeit.
00:38:37: Haben Sie dazu sozusagen nur eine poetische Beziehung?
00:38:39: oder ist das was, was sie auch wirklich denken und fühlen können?
00:38:44: Dass es einen Wiedersehen in der Ewigkeit gibt?
00:38:47: Ich bin kirchlich sozialisiert aufgewachsen und habe mich dann lange Zeit sehr distanziert von der Kirche nicht aus irgendwelchen großen... Entscheidungen oder irgendwelchen Feuerwachlektüren, sondern einfach.
00:38:58: das war so eine Lebensrealität.
00:38:59: Ich war in der Uni, ich war beschäftigt.
00:39:01: Ich hatte wenig Berührungspunkte und wenig anders mich mit der Kirche auseinanderzusetzen oder mit meinem Glauben.
00:39:07: Und ich glaube auch an einer Lebensphase, in der es mir sehr leicht gefallen ist, das alles zurückzurücken und nicht so ernst zu nehmen oder mich höchstens intellektuell damit auseinandersetzen.
00:39:17: Ich habe dann irgendwann angefangen über Umwege, über politische Theorie dann irgendwann in die Theologie reinzugehen um mir da Versatzstücke zu holen und damit zu arbeiten und so.
00:39:27: Aber das war alles auf einer Bestands hin gelegt, in dem Moment wo Gustav gestorben ist für mich ein großes Metaphysisches Bedürfnis aufgegangen.
00:39:37: Ich habe es auch in meiner Familie erlebt.
00:39:38: also ich hab meinen Vater beispielsweise nie Beten sehen und zum ersten Mal nach Gustavs Tod und dann auch sehr häufig Und wie soll ich sagen?
00:39:50: wieder eine große Neugier, eine große Nähe zu den christlichen als auch dem buddhistischen und gemäßigen Traditionen die in meiner Familie sind.
00:40:00: Und Suchmete auch so das was mir etwas gibt und dass wir dem auseinander kann aber jetzt auch nicht sagen ich bleibe so zwischen den Stühlen irgendwie und merke es geht nicht ohne weil dann fehlt etwas.
00:40:14: Das sind Tradition.
00:40:16: Menschen über lange, lange Zeit geholfen haben gerade solche Situationen durchzustehen.
00:40:20: Das sind Anleitungen und Abläufe wie sich Körper zueinander verhalten in einer Zeremonie waren etwas vorbei ist die man singt was man hört usw.
00:40:30: Also es sind im Moment in dem man sich kaum zu helfen weiß und kaum weiss wie wir noch auf der Beine steht geben einem diese Tradition halt und sagen einem was tut man um durch eine Beerdigung durchzukommen?
00:40:44: Also es ist ein unheimlicher Reichtum.
00:40:46: Ist
00:40:46: ja sozusagen auch eine ganz traditionelle fast schon christliche Haltung, dass zwischen den Stühlen sitzen denn so richtig... Es gibt so einen wunderbaren Aufsatz von Siegfried Krakauer der sagt oder heißt die Wartenden also das ist immer das Warten auf etwas und man weiß nie ob es kommt.
00:41:05: und das ist so ein bisschen ein ähnliches Bild finde ich wie zwischen den stühlen sitzen und man muss sich auch gar nicht festzun finden.
00:41:12: Bild auch in einer Szene, wo sie auf dem Friedhof sind und dann ein anderes Paar treffen.
00:41:17: Dass auch ein Kind verloren hat oder einen E-Mail hat.
00:41:19: das Paar verloren und der Vater ist Physiker und will eigentlich gar nichts damit zu tun haben.
00:41:22: Sagt er so ich kann das ja gar niemanden erzählen.
00:41:24: aber immer wenn der Wind kommt dann wissen wir dass es die E-Meal.
00:41:27: Und dann sagt ihre Frau ja bei uns ist es die Sonne immer wenn wir im Grabson dann kommt irgendwie die Sonnen raus und wollte jetzt fragen meldet sich Gustav noch?
00:41:37: Ja Also, man will dir irgendwann sozusagen... Es waren dann auch die Rädchen, die wild im Wind rotiert haben.
00:41:45: Die für mich dann auch ein Gruß zum Gustav Bahnen.
00:41:48: und doch also die Grüße bleiben nicht aus.
00:41:52: Danke
00:41:52: für das Gespräch Herr Federer!
00:41:54: Ich hab's so dankend.
00:41:55: Das war über das Ende vor G-Siebzig.
00:41:58: Wir hoffen es hat Ihnen wieder gefallen.
00:41:59: Wenn Sie es noch nicht gemacht haben bewerten sie den Podcast bitte Am besten fünf Sterne geben auf Apple Podcasts oder Spotify, oder wo auch immer Sie den Podcast hören.
00:42:08: Und schreiben sie uns wenn Sie Anmerkungen haben, wenn Sie Fragen haben oder wenn Sie einen Gast vorschlagen wollen an podcastatchrismon.de und folgen Sie Chrismon auf Instagram um immer ab to date zu sein.
00:42:19: Bis zum nächsten Mal bleiben Sie mutig!
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